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Firma soll Rektoren bestochen haben, um Buchungen zu erhalten / Springer Realschule betroffen

Fotos von Schulklassen: Auftrag gegen Spende

Springe (mari). Immer wenn der Schulfotograf blitzte, klingelte es in der Klassenkasse: Vor dem Landgericht Hildesheim müssen sich seit gestern ein Fotograf und seine Mitarbeiterin verantworten, die Schulen bestochen haben sollen. Einer der Aufträge ging an die Heinrich-Göbel-Realschule in Springe.

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Ist es strafbar, wenn sich ein Unternehmen großzügig bei einer Schule für eine Buchung „bedankt“? Wenn die Schule am Umsatz beteiligt wird oder sie sich als Gegenleistung einen Drucker oder eine Videokamera aussuchen kann? Auch um diese Frage geht es in dem Prozess, der als Grundsatzverfahren angesehen wird.

Ein Fotostudio aus Lehrte soll zwischen April 2002 und Januar 2005 zahlreichen Schulen ein verlockendes Angebot gemacht haben: Wenn die Firma Klassenfotos machen dürfe, die den Eltern anschließend zum Kauf angeboten werden, springe dabei auch für die Schule etwas heraus. Mal sollen zehn Prozent des Erlöses angeboten worden sein (zwischen 160 und 800 Euro), mal eine vorher festgelegte Summe oder eine Sachzuwendung.

Dem Lehrter und seiner Angestellten werden 15 Fälle vorgeworfen. Sie spielen unter anderem in Hannover, Peine, Gifhorn, Alfeld und Springe.

Die ersten Rektoren, die gestern als Zeugen aussagten, betonten, sich keiner Schuld bewusst gewesen zu sein. „Das ist seit 20 oder 30 Jahre gängige Praxis“, erklärte ein mittlerweile pensionierter Beamter. Wöchentlich habe er Angebote von Fotostudios bekommen, „und irgendwo war da immer ein Werbebonbon dabei.“

Trotzdem seien für die Auftragsvergabe nur die Qualität der Bilder, das Auftreten der Mitarbeiter und eine einfache Abwicklung der Aktion entscheidend gewesen. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass die Schule die „Spende“ über erhöhte Fotopreise finanziert habe, wies ein Zeuge zurück: Auf die Preisgestaltung habe die Schule keinen Einfluss gehabt. Und etliche Eltern würden es begrüßen, wenn durch solche Aktionen Geld für andere Projekte zusammenkomme.

Das Kultusministerium hat im Jahr 2005 darauf hingewiesen, dass solch ein Handel den „Eindruck der Käuflichkeit erweckt“ und strafbar ist – auch für die Rektoren. Der Bundesgerichtshof bezeichnete die Geschenke dagegen kurz darauf als unbedenklich, da die Eltern die Fotos ja nicht kaufen müssten.

Der konkrete Fall beschäftigt die Wirtschaftskammer des Landgerichtes Hildesheim jetzt dennoch. Das Urteil dürfte Auswirkungen auf alle 900 Schulfotografen in der Bundesrepublik haben.

Die Ermittlungen gegen die Schulleiter sind eingestellt worden. Jutta Brenneke, die Leiterin der Heinrich-Göbel-Realschule, ist für den 19. April als Zeugin geladen.

Angeklagt: Der 62-jährige Fotostudioinhaber aus Lehrte und seine 51-jährige Angestellte (l.) sollen Schulen Geld- und Sachspenden gezahlt haben.

Foto: mari



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