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Flüchtlinge: Jobsuche mit Hindernissen

SPRINGE. 53 Arbeitslose Flüchtlinge weist die Statistik der Arbeitsagentur für Springe aus. Arbeitsuchend sind fast dreimal so viele gemeldet.

Handfeste Arbeit: Grundsätzlich eignet sich Gartenbau für Bewerber mit Fluchthintergrund — doch die Praxis gestaltet sich kompliziert.
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

„Ein Potenzial, das wir nicht verschenken sollten“, sagt Holger Habenicht, der Pressesprecher der Agentur für Arbeit. „Viele von ihnen sind hoch motiviert und möchten am liebsten sofort arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen. Das ist eigentlich sehr wertvoll auf dem Arbeitsmarkt“, ergänzt er.

Rückenwind kommt zusätzlich durch eine gesetzliche Neuerung: Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich grundsätzlich einig sind, muss nicht mehr zwingend geprüft werden, ob stattdessen ein Deutscher Arbeitsuchender die Stelle bekleiden könnte. Trotzdem bleibt die Vermittlung der Flüchtlinge eine große Herausforderung. Grund dafür sind nicht einfach Berührungsängste, sondern eine Vielzahl von Gründen.

Punkt eins: Die Arbeitgeber in Springe — vielfach kleine und mittelständische Unternehmen — suchen vor allem Allrounder, die sich bestens auf deutsch verständigen können.

Das lässt sich in der gewünschten Breite auch mithilfe von Qualifizierungsmaßnahmen nicht aus der Hüfte stemmen, klärt die Agentur auf. Und: „Die Bewerberanzahl unter den Geflüchteten mit guten Sprachkenntnissen ist sehr gering“, informiert Habenicht. Punkt zwei: „Bei den Geflüchteten ist die Bleibeperspektive erstmal ungeklärt.“ Trotz großen Bemühens um schnellere Bearbeitung der Anträge geht Zeit ins Land, bis ein Bescheid erteilt wird.

Diese Wartezeit birgt Risiken vor allem für die Arbeitgeber. Im schlechtesten Fall muss jemand, der gerade im Unternehmen aufgebaut wird, gehen. „Leider verlassen auch viele der zunächst in Springe untergebrachten Flüchtlinge aus unterschiedlichen Gründen wieder die Stadt“, sagt Habenicht. Mögliche Angebote, um Arbeitgeber und Arbeitsuchende zusammenzubringen, verpuffen dann. „So finden die sprachlichen und beruflichen sowie finanziellen Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kaum Abnehmer“, ist ein enttäuschendes Zwischenfazit.

Gartenbauunternehmer Bernd Achtermann aus Bennigsen kann das bestätigen. „Anfangs konnten wir uns gut vorstellen so einen Bewerber einzustellen. Als wir eine Ahnung davon bekommen haben wieviele Anträge damit verbunden sind, hat uns das vorerst abgeschreckt.“ Trotzdem habe ein Kollege von ihm sich darauf eingelassen.

Auch in anderen Branchen gibt es vereinzelt Erfolge. Ein 20-jähriger Bewerber aus Syrien hat zum 1. November eine Stelle im KFZ-Bereich angetreten. Zuvor hatte er eine Einstiegsqualifizierung durchlaufen. Gute Karten hatte der junge Mann, weil er bereits mehrere Jahre in Deutschland lebt, hier zur Schule ging und entsprechende Deutschkenntnisse vorweisen kann. Ein anderer junger Syrer, den die Agentur vor allem mit Blick auf eine Ausbildungsstelle beraten hat, entschied sich letztlich für eine befristete Teilzeitstelle bei einem Discounter.

Bei den Firmen wünscht sich die Agentur mehr Mut. Aktuell habe nur ein Unternehmen Interesse angemeldet, einen Bewerber mit Fluchthintergrund einzuladen. Voraussetzung in diesem Fall sei nicht in erster Linie gutes Deutsch, sondern vor allem körperliche Belastbarkeit.



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