weather-image
10°

Flüchtling Ali will sozialpädagogischer Assistent werden

SPRINGE. Integration ist mitunter schwer – aber möglich: Kawin Ali ist das beste Beispiel. Schon im Januar dieses Jahres wurde er von Regionspräsident Hauke Jagau für sein ehrenamtliches Engagement geehrt, weil der 20-Jährige seine Mitschüler in den Sprachförderklassen an der BBS Springe unterstützt.

Kawin Ali lebt seit knapp drei Jahren in Deutschland. Seit August macht er eine Ausbildung an der BBS Springe. Foto: Hermes
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Nebenbei absolvierte er auch seine Ausbildung für die Jugendleiterkarte. Dabei ist Kawin Ali erst seit knapp drei Jahren in Deutschland. Heute spricht der Syrier fast fließend Deutsch – und macht eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten.

„Das Sprechen bereitet mir keine Probleme, aber das Schreiben“, erklärt er. „Als ich nach Deutschland kam, habe ich gleich einen Sprachkurs in Springe besucht und jeden Tag mindestens vier Stunden zuhause gelernt.“ Um ein besseres Gefühl für die Buchstaben zu bekommen, hat er Zeitungen abgeschrieben. „Und ich habe oft deutsches Fernsehen geschaut.“ Beides sei eine große Hilfe bei seinen Lernfortschritten gewesen.

„Ich hatte Angst vor den Ferien“, gibt Kawin Ali zu. „Sechs Wochen ohne Sprachkurs sind lang. Ich habe befürchtet, dass ich in der Zeit alles vergesse.“ Kurzerhand bat er seine Lehrerin, in den Ferien regelmäßig mit ihm zu telefonieren, „damit ich weiter spreche.“ Mit seinen Eltern habe er nicht üben können. „Meine Mutter und mein Vater sprechen kein Deutsch.“

Weil er sich so schnell verständigen konnte, wurde er als Sprachlotse eingesetzt – auch an der BBS Springe. „Ich übersetze für Jugendliche und begleite sie zu Beratungsgesprächen. Ich übersetze auch in schriftlicher Form und unterstütze damit Lehrkräfte und Sorgeberechtigte.“ Und nicht nur das. Er vermittle auch, etwas zwischen Kurden und Arabern, wenn es zu Auseinandersetzungen komme.

Die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten ist ihm sehr wichtig. „Ich will es unbedingt schaffen.“ In der Praxis habe er keine Probleme, aber die Klausuren bereiten ihm Schwierigkeiten. „Ich kann einfach noch nicht so gut schreiben“, sagt er. Da hätten seine Mitschüler deutliche Vorteile. Dass in seiner Klasse fast nur Mädchen sitzen, macht ihm nichts aus. „Das ist kein Beruf nur für Frauen“, betont er.

Donnerstags und freitags macht er ein Praktikum im Kindergarten in Gehrden. „Meistens bereite ich kleine Lernaktivitäten vor, in denen es um Körper, Gesundheit und Sprache geht.“ Die Kinder seien ihm gegenüber sehr aufgeschlossen und herzlich. „Und wenn ich Fehler mit der Sprache mache, helfen sie mir“, sagt er und lacht. Überhaupt könne er von den Kindern viel lernen. „Auch typisch deutsche Spiele bringen sie mir bei.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt