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Amtsgericht verurteilt Wiederholungstäter / Diebstahl „zum Überleben“

Flucht durch Europa endet in Springe

Springe/Gestorf. Drei Diebstähle waren es, für die ein 39-Jähriger gestern vor dem Springer Amtsgericht verurteilt wurde. Doch hinter dem Prozess steckt die Geschichte einer langen Verbrecher-Karriere und einer Flucht durch Europa, die in Springe endete.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Das Kriminalstück beginnt am 11. Oktober des vergangenen Jahres, hunderte Kilometer vom Deister entfernt. Peter L. (Name geändert) klaut um 11.25 Uhr in dem kleinen französischen Ort La Ville-aux-Dames ein Auto – nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Der vielfach vorbestrafte Mann ist auf der Flucht. Erst Monate zuvor hat er eine fünfjährige Haftstrafe abgesessen, die Staatsanwaltschaft Flensburg sucht ihn schon wieder. L. will weg – und braucht ein Auto. Vor dem Springer Gericht erinnert er sich gestern an den Diebstahl: Beim Spazierengehen habe er bemerkt, dass bei dem Peugeot der Schlüssel noch steckte: „Eine halbe Stunde später stand der Wagen immer noch da.“ L. steigt kurzentschlossen ein, fährt los, ohne festes Ziel. Es treibt ihn in Richtung Deutschland. In der Pfalz folgt der zweite Diebstahl, 15 Euro erbeutet L., als er in einem Gasthaus die Spendendose des Kinderhilfswerks mitgehen lässt – „um zu überleben“, sagt der gelernte Koch gestern.

Schließlich führt ihn sein Schicksal nach Springe. Mit dem gestohlenen Wagen soll er laut Anklage zunächst vor dem Deutschen Haus in Gestorf ein anderes Auto angefahren haben. Der Punkt wird während der Verhandlung fallengelassen, er wiegt nicht schwer im Vergleich zu den anderen Vorwürfen.

Im Gasthaus setzt sich L. an die Theke – und erweckt schnell das Misstrauen der Bedienung, die sich gestern als Zeugin äußerte. L. geht mehrmals auf Toilette, immer auf anderen Wegen. „Er wirkte nervös“, erinnert sich die Frau. Als sie gerade für den Nachmittag abschließen will, erwischt sie L., wie er nach der Geldbörse hinter der Theke greift, 250 Euro sind drin. Wochenlang plagen die Serviererin später Angstzustände. Bei L. findet die Polizei nach seiner Verhaftung eine bizarre Sammlung, Zeugnisse seiner Flucht: Münzen. Rasierer. Geburtstagskarten. Hotelschlüssel. Gestern vor Gericht wirkt L. unscheinbar, einfach gekleidet. Er spricht mit leiser Stimme, unterstreicht seine Aussagen gestikulierend, lächelt ein wenig.

Wie sehr dieser positive Eindruck täuschen kann, wird klar, als Richterin Vanessa Brandt sein Vorstrafenregister verliest: 22 Verurteilungen – eine Auswahl: Sachbeschädigung in Frankreich, Betrug in Österreich, Diebstahl in München, Hamburg und der Schweiz, Raub und Hehlerei in Italien, Unterschlagung, Betrug und Urkundenfälschung in Flensburg. Dazu kommt jetzt Springe. Ein Jahr und zwei Monate, keine Bewährung. Brandt blickt L. an, neben dem zwei bewaffnete Justizbeamte die Tür bewachen. „Ich hoffe, dass Sie eines Tages einen Schlussstrich unter all das ziehen können“, sagt sie. L. nickt.

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