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Finanzamt verlangt fälschungssichere Kassen

SPRINGE. Neue Kassen klingeln besser – zumindest wenn es nach dem Bundesfinanzministerium geht. Um Steuerhinterziehung zu verhindern, sind neue Registrierkassen für Handel und Gastronomie vorgeschrieben. Bei heimischen Unternehmen stößt das auf wenig Gegenliebe.

Hat bereits umgestellt: Kornelia Isleif-Larrabee mit ihrem Tablet-Computer, der als Kassensystem dient. FOTO: MISCHER
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Das ist natürlich für die Betriebe mit großen Ausgaben verbunden“, sagt Doris Bruns vom Hotel Garni in Springe als Schriftführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Altkreis Springe. Der hat sich während seiner Jahresversammlung jetzt mit dem Thema befasst. Betroffen von der Umstellungsfrist sind Einzelhandelsketten ebenso wie die Kneipe an der Ecke, etwa das Heinrich III. Inhaber Stefan Maus weiß, dass es die Neuregelung gibt, hat allerdings noch keine neue Kasse angeschafft. „Da gibt es noch Unklarheiten, welche Kasse vorgeschrieben ist.“

Tatsächlich gibt die Finanzverwaltung vor, dass elektronische Kassensysteme direkt digital Unterlagen für die Buchhaltung erstellen und unveränderbar speichern müssen. Die „Grundsätze zur Aufbewahrung von Unterlagen in elektronischer Form und zum Datenzugriff“ haben sich eigentlich zum Jahresanfang geändert. Allerdings gibt es eine Übergangsfrist: Wer Kassensysteme benutzt, die nicht mehr nachgerüstet werden können, hat Zeit bis Ende 2022.

Kornelia Isleif-Larrabee, Inhaberin des Key Largo, hat ihr Kassensystem bereits auf den neusten Stand gebracht. „Wir mussten ohnehin ein neues Kassensystem anschaffen, deshalb haben wir uns gleich auf den aktuellen Stand gebracht“, sagt sie. Ihr Eindruck ist, dass die elektronische Abrechnung eine Erleichterung für die Arbeit darstellt. Und sogar den Kunden einen Mehrwert bietet: Immerhin können nun auch Tage nach der Bewirtung Belege per E-Mail an sie verschickt werden.

Hintergrund der Neuregelung ist, dass Manipulationen an den Abrechnungen verhindert werden sollen. Deshalb sind die neuen Kassen mit zertifizierten Sicherungssystemen ausgestattet. Das System beinhaltet auch Schnittstellen für Datenübertragungen – denn mit einer geplanten „Kassen-Nachschau“ haben Finanzbeamte ab 2018 sogar die Möglichkeit, Laptops zu Prüfzwecken an die Firmenkassen anzuschließen.

Auch der Einzelhandel in Springe ist nicht ausschließlich amüsiert von den neuen Regeln. „Begeisterung sieht anders aus“, sagt Stefan Noort von der Industrie- und Handelskammer. Jede Umstellung sei schließlich mit Kosten verbunden. Allerdings habe sich die Anspannung vieler Einzelhändler mittlerweile gelegt, seit die Fristen feststehen. „Viele stört an den neuen Regeln aber, dass sie dem Handel nicht gerade eine Steuerehrlichkeit unterstellen“, gibt Noort das Meinungsbild zahlreicher Einzelhändler wider.

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