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Nach Schnitzel und Soße: Sollte das Ziegeunerwäldchen bei Springe seinen Namen verlieren?

„Feurig-pfefferig“

Springe. Es ist ein Rückzugsort für bedrohte Tierarten, ein Gebiet, in dem die Natur wieder die Oberhand gewonnen hat. Doch der Bereich bei Eldagsen hat ein Manko: seinen Namen. Denn das „Ziegeunerwäldchen“ ist bestimmt kein Ort, an dem Sinti und Roma leben.

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Autor:

Markus Richter

Obwohl in den Karten der Region Hannover mit „ie“ geschrieben, bezieht sich die Bezeichnung des 15 Hektar großen Naturschutzgebietes tatsächlich auf die Geschichte des „fahrenden Volkes“, weiß Rudolf Krause vom Springer Nabu. „Früher nannte man auch die Leute Zigeuner, die an dieser Stelle von einer Gemeinde an die andere weitergereicht wurden.“ Ob in Springe, Eldagsen oder Elze – in den Städten waren die Betroffenen immer nur ein paar Tage geduldet. Krause sagt auch, dass sich in dem Waldstück damals „Spitzbuben und Flüchtlinge“ versteckt haben sollen. Im Zuge der Diskussion um die Diskriminierung von Sinti und Roma sei durchaus denkbar, das Gebiet umzubenennen. „Wir können es auch Ziegeleikuhlen nennen – entscheidend ist doch, dass wir es haben.“

Für den hannoverschen Verein der Sinti und Roma geht es in erster Linie darum, das eigene Volk nicht verunglimpfen zu lassen – vor allem fordert er, dass Begriffe wie Zigeunersoße und Zigeunerschnitzel endlich aus dem Sprachgebrauch verschwinden. In der Landeshauptstadt wurden jetzt entsprechende Angebote vom Speiseplan der Rathauskantine gestrichen. „Das Volk nennt sich eben nicht Zigeuner“, sagt Dündar Kelloglu auf NDZ-Anfrage. Der Rechtsanwalt vertritt die Interessen des Vereins und prüft nun, ob er sich in dessen Auftrag wegen des Namens des Ziegeunerwäldchens an die Region wenden wird.

In Springe fühlt man sich offensichtlich in der Verpflichtung, zumindest den Sprachgebrauch von Speisen zu ändern. „Wir haben darüber nachgedacht, uns aber entschieden, alles so zu belassen“, sagt etwa Detlef Krüger, der zwei Gaststätten in Gestorf betreibt. Weiterhin im Angebot: das 240-Gramm-Schnitzel „Zigeuner Art“ mit pikanter Paprikasoße und Kroketten. Krüger ist überzeugt: „Das hat nichts mit Rassismus zu tun.“ Interpretieren müsse es jeder für sich, seinem Verständnis nach sei das Wort ein Synonym für „feurig-pfefferig“. Möglich, dass sich in diesem Monat noch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Hannover mit dem Thema befassen wird, sagt Doris Bruns, Vorstandsmitglied des Dehoga im Altkreis Springe. Die Inhaberin eines Innenstadt-Hotels sagt, es sei durchaus nachvollziehbar, wenn Personen sich durch die Begriffe diskriminiert fühlten. „Aber jeder weiß, was mit einem Zigeunerschnitzel gemeint ist.“ Bruns ist überzeugt, dass kein Gastronom und kein Gast eine negative Assoziation habe. „Im Irish Coffee ist doch auch kein Ire drin.“

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