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Stadtbrandmeister: „Einsatzgründe immer lapidarer“ / Nachts wegen flüchtender Ratten alarmiert

Feuerwehr stellt die Tierrettung ein

Springe (mari). Die Stadtfeuerwehr zieht sich komplett aus der Tierrettung zurück. „Unsere Hilfsbereitschaft ist überstrapaziert worden“, begründet Pressesprecher Torsten Baxmann.

Selten für richtige Tiernotfälle im Einsatz: René Bennecke (l.)

Eine verletzte Meise am Straßenrand, eine Blindschleiche am Waldrand oder eine Katze, die mauzend auf einem Baum saß: Mehr als jeder zweite Einsatz, zu dem die Brandschützer in den vergangenen Jahren ausgerückt sind, entpuppte sich als Lappalie. „Leider haben die Springer Bürger die Tierrettung nicht nur bei wirklichen Notfällen alarmiert“, sagt Stadtbrandmeister Manfred Hakemeyer. Bei einer Stadtkommandositzung hätten die Ortsbrandmeister deshalb einstimmig entschieden, den Extraservice nicht mehr anzubieten.

Hakemeyer und seine Kollegen hatten mehrfach appelliert, die Ehrenamtlichen nur bei wirklichen Notfällen zu verständigen. Als Notfall bezeichnet die Feuerwehr zum Beispiel einen angefahrenen Hund oder ein feststeckendes Pferd.

Doch die Bitten verhallten: „Die Einsatzgründe wurden in letzter Zeit immer lapidarer und nichtiger“, ärgert sich Hakemeyer. „Das konnten wir am Ende auch nicht mehr gegenüber den Arbeitgebern verantworten.“ Jeder Vorgesetzte habe Verständnis dafür, wenn sein Mitarbeiter im Dienst zu einem schweren Verkehrsunfall oder einem Feuer eile. „Aber erklären sie ihrem Chef mal, dass sie zwei Stunden weg waren, weil sich ein Wellensittich in seiner Glocke verhakt hat.“

Kopfschüttelnd erinnert sich Hakemeyer an eine Taube, die in einem Garten gelandet war, eine Fledermaus, die durch ein Wohnzimmer flog oder zwei Ratten, die durch ein Haus liefen. „Nachts um drei Uhr wurden wir deshalb alarmiert“, sagt Hakemeyer.

Die Stadtfeuerwehr bietet die Tierrettungen seit drei Jahren an. Um die großen Ortswehren zu entlasten, spezialisierte sich Alvesrode darauf. Die Brandschützer besuchten Fortbildungen und schafften Hundefangschlingen und Transportkörbe an.

Im Jahr 2007 wurden die Tierretter elfmal alarmiert, in 2008 achtmal, im vergangenen Jahr 13-mal. „Nur fünf Einsätze davon waren gerechtfertig, einer grenzwertig“, erinnert sich Pressesprecher Baxmann. In diesem Jahr waren es drei Notrufe, nur einen davon bezeichnet Baxmann als erforderlich. Das Problem der nichtigen Tierrettungen gibt es nicht nur in der Deisterstadt: Auch die Feuerwehren in andere Gemeinden würden die Abschaffung diskutieren.

Springer, die eine Tierrettung melden wollen, müssen sich jetzt an die Polizei wenden ( 05041/ 94290). Um Wildschäden kümmern sich die Jagdpächter, Kadaver sammelt der Bauhof ein.



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