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Feuerwehr Bennigsen: „Ein Haus zweiter Klasse“

BENNIGSEN. Erstmals spricht ein Feuerwehrmitglied öffentlich darüber, was es für den Alltag der Ehrenamtlichen in Bennigsen bedeutet, dass das dortige Gerätehaus möglichst günstig gebaut wurde – und darüber, wie genau sich der 1,5-Millionen-Euro- Unterschied zum Neubau in Eldagsen bemerkbar macht.

Das Feuerwehrhaus in Bennigsen hat gut 1,5 Millionen Euro gekostet. Dass es „auf Kante genäht“ ist, räumt selbst die Stadtverwaltung ein. Die NDZ schildert, was das für die Ehrenamtlichen im Alltag bedeutet. FOTO: HELMBRECHT
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

„Auf Kante genäht.“ So bezeichnet Bürgermeister Christian Springfeld das Bennigser Feuerwehrhaus. Es hat 1,5 Millionen Euro gekostet – und damit nur die Hälfte des geplanten Neubaus in Eldagsen. Lars Busse, Berufsfeuerwehrmann in Hannover, ehrenamtlicher Jugendwart und früher Vize-Ortsbrandmeister in Bennigsen, zeichnet im Gespräch mit der Neuen Deister-Zeitung das Bild eines Alltags, in dem die Ehrenamtlichen diese „Kante“ jeden Tag merken. Er wünscht sich von Stadt und Politik, dass sie diese Fehler anerkennen – und vielleicht sogar nachbessern.

Busse will zwei Dinge gleich klarstellen. Erstens: Er spricht in diesen Zeilen für sich, aus seiner eigenen Erfahrung – und gibt nicht die offizielle Meinung der Bennigser Feuerwehr wieder. Zweitens: Er neidet den Kameraden der ähnlich großen Feuerwehr in Eldagsen deren gerade entstehendes Gerätehaus nicht – im Gegenteil: „Was die dort bekommen, ist zweckmäßig und zukunftssicher.“ Keine goldenen Wasserhähne.

Nur das, was eine Feuerwehr dieser Größe und mit diesen Aufgaben brauche heutzutage. Und was Busse in Bennigsen schmerzlich vermisst. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt das Gebäude auf dem ehemaligen Festplatz offiziell an die Feuerwehr übergeben. Kosten: 1,5 Millionen Euro, etwas über dem noch Ende 2015 vom Rat gedeckelten Wert von 1,27 Millionen Euro. Ursprünglich, das zeigen alte Ratsdokumente, war nur mit einer Million Euro geplant worden, manch einer verwies auf noch günstigere Bauten in der Umgebung. Inzwischen ist das Feuerwehrhaus in Betrieb.

Und zeige all seine Schwächen deutlich, sagt Busse: Der Bau gehe an „Bedarf, Zukunftssicherheit und Zweckmäßigkeit“ vorbei. Ein Beispiel: der Platzmangel. Personell wachsen könne die Bennigser Feuerwehr hier kaum noch: „Wir haben noch zwei Spinde frei. Wenn drei Neue kommen, können wir einen von ihnen nicht unterbringen.“ Auch auf die langfristig immer größer werdenden Feuerwehrfahrzeuge sei das Gebäude nicht eingestellt.

Genauso wenig wie auf die Sonderaufgabe der Bennigser Kameraden: Diese sind stadtweit dafür zuständig, bei Einsätzen die Wasserversorgung sicherzustellen. Doch weil die vielen Schläuche und Schlauchwagen, die man deshalb dort lagert, auch viel Platz benötigten, müsse man andere Dinge wie Zelte der Jugendfeuerwehr außerhalb unterbringen, erklärt Busse. Aber auch der Schulungsraum sei falsch dimensioniert: Dieser erreiche das vorgegebene Raumvolumen nur, weil er so hoch sei. Das sorge für Schallprobleme – und: „Wenn es regnet, dann knallen die Tropfen auf das Blechdach und man kann sich noch schwerer verständlich machen.“

Busse ist seit fast 30 Jahren in Hannover hauptberuflich bei der Feuerwehr tätig; er leitet dort eine Wachabteilung. Noch zehn Jahre länger engagiert er sich ehrenamtlich, seit 1997 wohnt er in Bennigsen und ist auch dort bei der Feuerwehr. Ihn ärgert nicht nur, dass die Kameraden hier nun unter den Umständen im neuen Gerätehaus leiden. Er denkt auch über das Thema Gesundheit nach. Grund: die aus seiner Sicht unzureichende Schwarzweiß-Trennung.

Hinter dem Begriff verbirgt sich das Ziel, Einsatzkleidung und private Kleidung der Feuerwehrleute räumlich zu trennen, um etwa nach Feuern eine Verunreinigung zu vermeiden. Dabei gehe es nicht nur darum, Dreck oder unangenehme Gerüche zu vermeiden, so Busse. Es gebe Studien, die Feuerwehrleuten wegen einer solchen Verunreinigung am Einsatzort ein höheres Krebsrisiko bescheinigten. In Hannover bei der Berufsfeuerwehr diskutiere man inzwischen sogar darüber, noch am Einsatzort einen Kleidungswechsel vorzunehmen. Dass nun in einem neu gebauten Feuerwehrhaus wie in Bennigsen solche Erkenntnisse zu wenig Berücksichtigung fänden – für Busse unverständlich.

Zweites Problem mit der Einsatzkleidung: Nasse Sachen müssten wegen der fehlenden Lüftungsanlage eigentlich bei gekipptem Fenster getrocknet werden – doch weil auch Sicherheitsvorrichtungen gegen Einbrüche fehlten, müsse man die Fenster geschlossen halten: „Da bekommen wir bald ein Schimmelproblem.“

All diese Probleme zusammengenommen führen aus Busses Sicht zum Preisunterschied zwischen Eldagsen und Bennigsen: „Daran sieht man meiner Meinung nach, was 1,5 Millionen Euro ausmachen.“ Er wünscht sich, dass Politik und Stadt „gemeinsam über eine zeitnahe, sachgerechte und zukunftssichere Anpassung“ nachdenken. Im Moment, sagt er, fühle sich Bennigsen an wie ein Stützpunkt zweiter Klasse: „Das kann weder im Sinne der Feuerwehr, noch der Bürger oder der Politik sein.“

Als Busse seinem Unmut neulich im sozialen Netzwerk Facebook Luft machte, reagierte auch Bürgermeister Christian Springfeld, durch sein Amt oberster Dienstherr der ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Stadtgebiet. Die Aufgabe in Bennigsen sei gewesen, „möglichst viel Feuerwehrhaus vorschriftsmäßig“ für die festgelegte Summe zu bauen: „Das ist angesichts der Zielvorgabe hervorragend gelungen“. In Eldagsen habe man sparsam eingeplant, was die Feuerwehr brauche, „um optimal arbeiten zu können“ – und erst dann auf die Kosten geschaut: „Für mehr Geld kann man natürlich mehr bauen.“ Welche Schlüsse man daraus für die Zukunft des Gebäudes in Bennigsen ziehe, „steht auf einem ganz anderen Blatt“, so Springfeld.

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