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In der Mitgliederversammlung der Liberalen fliegen erneut die Fetzen / Kimmel bleibt Vorsitzender

FDP live und in Farbe – „Besser als Fernsehen“

Springe. Nach monatelangen Querelen hat der zerstrittene FDP-Stadtverband der Gründung eines Ortsvereins Völksen seinen Segen gegeben – allerdings zunächst „auf Widerruf“. Damit fand die bis dahin ausgesprochen turbulente und von gegenseitigen Anfeindungen geprägte Mitgliederversammlung doch noch ein einigermaßen versöhnliches Ende.

Peter Kimmel

Autor:

Marc Fügmann

„Das ist hier besser als Fernsehen“, frotzelte eine Freidemokratin, die das fortwährende Hickhack gebannt aus der dritten Reihe verfolgte. Die Sitzung im rappelvollen Parteibüro hatte nicht einmal richtig begonnen, da flogen schon die Fetzen. Harald Klotz, der im vergangenen Jahr bei den Vorstandswahlen Stadtverbandschef Peter Kimmel unterlegen war, beantragte eine Verlegung der Versammlung, weil die Einladung nicht satzungskonform erfolgt sei. Üblicherweise tage die Partei nicht mittwochs, sondern freitags und laut Statuten auch im letzten und nicht im zweiten Quartal des Jahres. Kimmel verwies auf einen abweichenden Vorstandsbeschluss. „Jedes Mitglied hatte Zeit, sich darauf einzurichten.“

Wechselseitige Schuldzuweisungen

Dass außerdem plötzlich ein zweiter stellvertretender Vorsitzender gewählt werden sollte und es versäumt worden war, den Mitgliedern das Protokoll der letzten Hauptversammlung zuzusenden, brachte dann das Fass zum Überlaufen. „Was Sie hier abziehen, hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“, warf Mitglied Werner Offen Kimmel an den Kopf, worauf dieser ihm mit Rauswurf aus der Versammlung drohte, weil er „unzulässigerweise“ aus dem Parteischiedsverfahren berichtet habe. Dazu kam es nicht mehr. Offen packte freiwillig seine Sachen und verließ wutschnaubend den Saal.

Die an beide Lager gerichteten mahnenden Worte Ulrich Zwirners, sich persönliche Diffamierungen zu verkneifen, fruchteten kaum. Noch mehrmals am Abend zeigte sich einer vom anderen „enttäuscht“, wurde wechselseitig der Vorwurf parteischädigenden Verhaltens erhoben und beschworen die Kimmel-Kritiker Edwin Biedermann und Klaus Nagel ein neues Schiedsgerichtsverfahren herauf.

Klaus Nagel

Nagel schickte sich schließlich an, den Vorsitzenden bei den Vorstandswahlen herauszufordern. Der 61-Jährige warb für sich mit seinen Managementerfahrungen und beschrieb sich als bürgernahen „Team-Player“. Doch es reichte nicht: Elf Anwesende votierten für ihn, 16 für Kimmel, zwei enthielten sich. Wie später auch noch bei den übrigen Wahlgängen mussten die abgegebenen Voten oft zwei- und dreifach ausgezählt werden, unter anderem weil mitunter ein oder zwei Stimmzettel mehr auftauchten als Wahlberechtigte anwesend waren.

Kimmel mühte sich sichtlich, die Wogen zu glätten – auch als es am Ende um den beantragten Ortsverein Völksen ging. Dabei handele es sich nicht um eine Abspaltung vom Stadtverband, beteuerte Mitinitiatorin Walburga Schwabe und verwies gleichzeitig auf bereits 15 Mitglieder. Jurist Kimmel machte keinen Hehl daraus, „dass mir das eigentlich nicht passt. Aber im Interesse einer Friedensregelung könnten wir den Versuch wagen.“ Bei fünf Enthaltungen wurde die neue Abteilung gebilligt. Vorerst allerdings auf Bewährung. Ein Jahr lang hat der Stadtverband die Möglichkeit, seine Zustimmung zu widerrufen.



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