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Familienleben auf 50 Quadratmetern in Eldagsen

SPRINGE/ELDAGSEN. Ihr Bett ist eine Matratze, die auf dem Boden liegt – und die Matratze ist gleichzeitig das Sofa: Familie Hamza aus Syrien, drei Kinder und Mama und Papa, lebt seit November in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung in Eldagsen.

Wenig Platz: Mutter Hamza legt Tochter Yasmin (8) im Wohn- und Schlafzimmer die Hand auf die Schulter. Papa Hashim Hamza steht auf dem Teppich und hat Sohn Hamza (2) auf dem Arm, Tochter Zaven (5) steht halb auf einer Matratze. Foto: Mischer
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Dass das zu wenig ist, zeigt nicht nur ein Blick ins Wohnzimmer der Fünf, das eben gleichzeitig ihr Schlafzimmer ist. Die Mitarbeiter des Fachdienstes Soziales suchen jetzt händeringend nach einer neuen Wohnung. Bislang vergeblich.

„Der soziale Wohnraum ist derzeit knapp“, sagt Amelie Morr von der Stadt. Und für Hashim Hamza und seine Familie wird das jetzt zum Problem. Zuerst war Vater Hashim Hamza, 37, aus einem Ort bei al-Hasaka im Nordosten Syriens geflohen, seine Familie musste er dortlassen. Über die Kriegserlebenisse in Syrien mag er nicht sprechen. In Eldagsen lebte er in einer Flüchtlingsunterkunft, in der bis heute Geflüchtete aus Syrien und dem Irak untergebracht sind.

„Ihm ging es hier wirklich nicht gut ohne seine Familie“, sagt Morr. Sohn Hamza (2) hatte er schließlich noch niemals gesehen. Die Mutter war mit ihm und den den beiden Töchtern in den Irak geflüchtet, wo sie in einem großen Flüchtlingslager lebten. „Ich habe mir Sorgen um meine Familie gemacht“, berichtet er. In dem Lager ging es den Kindern nicht gut, die jüngste Tochter zog sich schwere Verbrennungen zu, der Sohn war krank.

Und während der Trennung ging es auch dem Vater stetig schlechter. „Er leidet unter Diabetes, hat sehr viel Gewicht verloren und erlitt hier einen Herzinfarkt“, sagt Morr.

Mittlerweile geht es ihm aber wieder besser. Besonders, weil er nun seine Familie sicher bei sich in Eldagsen weiß. Dass diese Familienzusammenführung möglich war, liegt daran, dass Hamza offiziell die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde – anders als den meisten Syrern, die nach Deutschland kommen. Die Mehrheit erhält nur subsidiären Schutz – und für diese Gruppe wurde der Familiennachzug ausgesetzt. Ob und wann er auch für sie möglich wird, darüber streitet derzeit die Politik.

Das Geld für den Flug für die Mutter, die beiden Töchter Zaven (5) und Yasmin (7) und Sohn Hamza (2) konnte der Vater nicht aufbringen. Laut Morr sprangen da private Spender ein, die Familie zahlt die Summe nun zurück.

„Mir gefällt es sehr gut, dass meine Familie wieder da ist und wir endlich zusammenleben können“, sagt der Vater. Nur die Wohnung, die ist jetzt natürlich zu klein. Aber die Stadt kann der Familie keine neue anbieten, die Wohnungen in dieser Größe sind knapp. Gesucht wird eine Heimstatt, die laut Gesetz maximal 598 Euro teuer sein darf – Kaltmiete mit Betriebskosten. Überdies darf die Wohnung maximal 95 Quadratmeter groß sein. Hamza kennt sich mittlerweile gut in Bennigsen, Springe und Völksen aus. Letztlich ist es ihm aber egal, in welchem Ortsteil doe Familie ist. „Hauptsache, wir bekommen eine gute Wohnung.“ Dann müsste auch Yasmin ihre Hausaufgaben nicht mehr auf der Matratze machen. In Springe gibt es weitere Flüchtlingsfamilien, deren Wohnsituation ähnlich prekär ist. Der Fachdienst Soziales freut sich über Wohnungsbesitzer, die Wohnraum zur Verfügung stellen.

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