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Fahrstuhl am Bahnhof seit Wochen außer Betrieb

SPRINGE. Axel Frost weiß nicht mehr, was er machen soll. Der Bewohner der Wohngruppe Yocas im Diakoniezentrum ist wegen einer chronischen Erkrankung auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Er fährt regelmäßig mit dem Zug nach Hannover, Hameln oder Paderborn. Das klappt seit drei Wochen nicht mehr.

Sieht kaputt aus: Im Fahrstuhl an der Bahnhofstraße geht nichts mehr. Offenbar schon seit Wochen. Laut Bahn muss eine neue Lichtschranke eingebaut werden. Die Bewohner der Wohngruppe im Diakoniezentrum wünschen sich, dass eine Rampe gebaut wird. FOTO

Autor:

RALF T. MISCHER-

Denn einer der Fahrstühle arm Bahnhof ist kaputt. Ob und wann er repariert wird, ist unklar. Es ist nicht der erste Ausfall des Lifts in diesem Jahr.

„Für unsere Bewohner ist das ein richtiges Problem – und das versteht die Deutsche Bahn nicht“, sagt Sozialpädagogin Ilona Bermond, die sich um die Mitglieder der Wohngruppe kümmert. „Mir ist deshalb wichtig, dass etwas passiert.“

Bei der Deutschen Bahn ist der Ausfall des Fahrstuhls bekannt. Dass er nicht funktioniert, sei auf eine defekte Lichtschranke zurückzuführen. Dieses Bauteil müsse bestellt werden, das dauere und daher sei eine Reparatur bislang nicht erfolgt, betont die Bahnsprecherin auf Nachfrage. Und eine Alternative zum Lift, etwa eine Rampe? „Dazu gibt es derzeit keine Planungen“, sagt die Sprecherin.

Zum Bedauern etwa von Conny Bink, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt: „Wir können nicht mehr auf Veranstaltungen, unsere Selbstständigkeit ist sehr eingeschränkt.“ Was den Bewohnern besonders bitter aufstößt, ist, dass man vielfach nicht wisse, ob der Lift funktioniert oder nicht: Teilweise werde auf Nachfrage bei der Telefon-Hotline der Bahn gesagt, der Fahrstuhl sei heile, funktioniere tatsächlich aber nicht.

Conny Bink musste wegen eines solchen Falls schon einmal von Rettern der Feuerwehr aus dem Bahnhof befreit werden. „Das ist ein beklemmendes Gefühl, wenn man da in einem Tuch hochgetragen wird, das wünsche ich niemandem.“ Wenn sie doch mobil sein möchten, brauchen sie dafür ein Taxi. Und das kostet Geld. Bink: „ Ich verzichte dann eben auf den Kaffee oder auf die Bratwurst, um das Taxi bezahlen zu können.“ Heidi Moormann erläutert, dass sie, krankheitsbedingt, häufig Spezial-Ärzte in Hannover aufsuchen müsse.

Und das sei für sie nur mit dem Zug möglich. Weil das jetzt eben nicht geht, habe sich bereits ihre Tochter einen ganzen Tag extra lang Urlaub genommen, um sie dorthin zu fahren. Die 13 Menschen, die in der Wohngruppe leben, wünschen sich, dass Konsequenzen gezogen, und eine Rampe gebaut wird. Herta Naumann, die nebenan im Seniorenwohnheim lebt und ebenfalls mobilitätseingeschränkt ist, erinnert an das Lob, das es zur Einweihung der Einrichtung von höchster Stelle gegeben habe:

„Die Sozialministerin hatte die Einrichtung gelobt und gesagt, dass es mehr davon geben müsse. Jetzt kümmert sich niemand mehr um uns.“ „Es ist einfach ein Elend“, sagt Alex Frost – und ergänzt, dass der Fahrstuhl regelmäßig defekt sei. Laut Deutscher Bahn sind die beiden Lifte nicht besonders störanfällig. „.Leider sind auch mehrere Vandalismusschäden zu verzeichnen, die auch einen Ausfall des Aufzuges mit sich ziehen“, so die Sprecherin.

Welche Gründe es auch für den Ausfall geben mag, die Bewohner wünschen sich eine dauerhafte Lösung für Springe: Eben eine Rampe, wie es sie sowohl am Bahnhof in Bad Münder als auch in Bennigsen und Völksen gebe. Nur eben in Springe nicht. Das muss sich ändern, fordern sie.

Auf die Deutsche Bahn indes können sie dabei wohl nicht hoffen.



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