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Fachkräftemangel: Pflegekräfte aus Kolumbien geholt

SPRINGE. „Buenos Días“ hallt es über den langen Flur im Wohnpark Beethovenstraße. „Hola“ antworten die Bewohner des Seniorenheims fröhlich. Ein paar spanische Wörter haben die Springer sogar schon gelernt – und zwar von ihren neuen Pflegekräften, die aus Kolumbien kommen und jetzt in Springe arbeiten.

76 Mitarbeiter arbeiten im Wohnpark in der Beethovenstraße, unter ihnen sind auch Pflegekräfte aus Kolumbien. FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Insgesamt fünf Kolumbianer sind ab sofort im Seniorenheim angestellt. Obwohl sie zum Teil erst vor wenigen Wochen nach Deutschland gezogen sind, sprechen sie bereits deutsch. Fehlt doch mal ein Wort, helfen sie sich auf Englisch. Weil es wegen des Fachkräftemangels immer schwieriger wird, geeignete Mitarbeiter zu finden, hat sich die Geschäftsführung des Wohnparks dazu entschlossen, neue Wege zu gehen. „In Kolumbien werden die Pflegekräfte sehr gut ausgebildet und sind medizinisch top“, sagt Geschäftsführer Friedhelm Clasen. Anders als in Deutschland absolvieren die Pfleger in Kolumbien einen akademischen Berufsabschluss. Während die Deutschen während ihrer dreijährigen Berufsausbildung eine Pflegefachschule besuchen, studieren die Kolumbianer bis zu fünf Jahre das Fach Pflegewissenschaften an einer Universität, unter anderem in Bogotá. „Außerdem haben sie gleiche kulturelle Wurzeln, weil sie katholisch sind“, so Clasen. Über Kontakte in Kolumbien hatte Clasen die fünf Neuen für einen Job in Deutschland begeistern können. „Hinzu kommt, dass in dem Land ältere Menschen als etwas Besonderes gelten, sie werden in den Familien sehr hoch wertgeschätzt und genau das ist es, was in der Pflege gebraucht wird.“

Anders als in Deutschland gibt es in Kolumbien eher zu viele Gesundheits- und Krankenpfleger. „Es werden dort mehr Menschen ausgebildet als eigentlich benötigt, sodass wir dem Land niemanden wegnehmen“, sagt Clasen. Bis zu 96 Bewohner könne die Einrichtung aufnehmen, 80 sind es aktuell. Nicht etwa, weil die Nachfrage fehlt, sondern vielmehr das Personal, sagen die Verwaltungsmitarbeiterinnen Deepa Stege und Nicola Ross. So geht es nicht nur der Einrichtung in Springe. Laut dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste fehlen in Deutschland mehr als 50 000 Pflegekräfte.

Die fünf Mitarbeiter aus Südamerika haben sich mittlerweile in Springe gut eingelebt und besuchen neben ihrer Arbeit eine Sprachschule in Hannover. Das sei zwischendurch auch schon einmal anstrengend. „Springe und die Landschaft am Deister ist sehr schön, die Leute sind sehr freundlich und man begrüßt sich auf der Straße“, sagt Ana Maria García González. „Es ist ruhig und sicher“, ergänz Diana Sofia Rostropo Rojas. In ihrer Heimat sei der Job nicht gut bezahlt und die Bedingungen schlecht, weiß auch Adrian Camilo Restrepo Melendez. „Deutschland ist ein gutes Land und man lernt eine neue Kultur kennen.“

Auch wenn ihre Familien noch in Kolumbien leben, sind sie sich einig, in Springe bleiben zu wollen. „Wir bekommen so viel Unterstützung von den Bewohnern und den Kollegen.“

Auch Geschäftsführer Clasen ist zufrieden. Und weil es mit den Kolumbianern schon gut läuft, ist es ihm auch noch gelungen, fünf Filipinos nach Springe zu holen, die voraussichtlich im Juni in der Einrichtung anfangen. „Auch dort ist der Ausbildungsstandart extrem hoch und die älteren Menschen genießen besondere Wertschätzung.“



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