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Fachkräfte dringend gesucht

Das Handwerk in der Region boomt: Viele Firmen verzeichnen eine so gute Auftragslage wie lange nicht mehr. Die gute Geschäftslage führt allerdings zu einem ganz besonderen Problem.

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Autor:

von saskia helmbrecht

SPRINGE. Das Handwerk in der Region boomt: Viele Firmen verzeichnen eine so gute Auftragslage wie lange nicht mehr. „Wir haben sehr viel zu tun. Unsere Mitarbeiter sind gut ausgelastet“, sagt Doris Anthanasiou vom gleichnamigen Haustechnik-Betrieb. Viele Neukunden müssten bereits vertröstet werden.

Die gute Geschäftslage führt allerdings zu einem ganz besonderen Problem: Der Nachwuchs im Handwerk fehlt. „Ich bedauere den Azubi-Mangel sehr. Viele junge Leute haben kein Interesse daran, sich die Finger schmutzig zu machen.“ Athanasiou habe derzeit einen Auszubildenden als Installateur im Betrieb. „In zwei bis drei Jahren wird es noch schwerer werden, einen Auszubildenden zu finden“, so ihre Befürchtung.

Das kann auch Claudia Tränkner vom gleichnamigen Malerbetrieb bestätigen. „Wir haben immer genug Arbeit, aber keine Leute, die sie machen“, so Tränkner. Die Jugend hätte keine Lust mehr auf einen Handwerks-Beruf. „Die Azubis, die den Job gerne machen wollen, können es oft einfach nicht. Und die Jugendlichen, die es könnten, stellen fest, dass es ein harter Job ist – und schlagen einen anderen Berufsweg ein“, sagt die Geschäftsführerin. Das Problem: das Image des Berufes.

Seit Jahren bildet der Malerbetrieb nicht mehr aus. „Viele hauen nach sechs Wochen wieder ab und da habe ich keine Lust mehr.“ Aber nicht nur der Nachwuchs-Mangel beschäftigt sie, auch die Einstellung vieler Springer Bürger. „Die Menschen legen keinen Wert mehr darauf, heimische Betriebe zu beauftragen. Hauptsache es ist günstig. Wenn es dann schief steht, stehen sie bei und auf der Matte. Das ist eine sehr undankbare Aufgabe“, so Tränkner.

Dass immer weniger Jugendliche eine Lehre im Handwerk anfangen, weiß auch Anke Herforth vom gleichnamigen Bau-Dienstleiser in Springe. „Wir brauchen noch Leute, um die vielen Aufträge zu bewältigen“, so Herforth. Der Nachwuchs sei sehr umkämpft. Weil aber die Zinsen derzeit sehr niedrig seien, würden viele Springer alte Häuser kaufen, die dann hergerichtet werden sollen – trotz des Fachkräftemangels.

Dachdecker Sven Hilber aus Bennigsen würde gerne ausbilden. „Dafür bräuchten wir aber mehr Mitarbeiter. In ein bis zwei Jahren würde ich das gerne in Angriff nehmen und Lehrlinge aufnehmen“, so Hilber. Er schließt sich aber auch der Meinung von Tränkner ein. „Wenn es um energetische Sanierung geht, gibt es mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Die Kunden wählen aber meist die kostengünstigste Alternative aus, die vielleicht weniger Qualität hat, als eine andere Maßnahme“, klagt Hilber.

Kaum Zeit zum Ausbilden bleibt Hans-Jürgen Hurlebusch aus Eldagsen. „Wir würden gerne ausbilden“, so der Installateur. Für ihn sei es ein gutes Jahr. „Wir haben viele Aufträge.“ Gerade bei älteren Bürgern spiele derzeit Barrierefreiheit eine wichtige Rolle.

Volle sind die Auftragsbücher jedenfalls bei fast allen Handwerkbsbetrieben. Athanasiou fast die Gründe für den Boom zusammen: „Man bekommt kaum noch Zinsen, sparen ist da eher schlecht, da wollen viele das Geld nicht einfach liegen lassen, sondern investieren.“ Ein wichtiges Thema sei auch das barrierefreie Wohnen. „Viele Duschen werden altersgerecht umgebaut.“

Wichtig seien den Kunden aber auch Maßnahmen zur energetischen Sanierung. Viele Springer würden nach Maßnahmen zum Energiesparen und zur Energieoptimierung fragen.

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