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Ex-RAF-Mitglied Christof Wackernagel liest in Völksen

VÖLKSEN. Die beiden können miteinander. Der Völksener Verleger Dietrich zu Klampen und sein Autor Christof Wackernagel. „Als ich ihn vor 15 Jahren nach seiner Gefängniszeit um das Buch bat, hat er mich mit Hasstiraden zugeschüttet“, erinnert sich zu Klampen.

Christof Wackernagel stellt auf dem Hermannshof in Völksen sein Werk „RAF oder Hollywood“ vor. FOTO: HUPPERT

Autor

Christoph Huppert Reporter

Nach zwei anderen Wackernagel-Büchern dann im August endlich dessen „Tagebuch einer gescheiterten Utopie“, aus der der gelernte Schauspieler im vollbesetzten „Haus im Park“ jetzt einige Kapitel las.

1977 habe er die Möglichkeit gehabt an einer internationalen Filmproduktion mitzuwirken, stattdessen schloss er sich der „Rote-Armee-Fraktion“ an, ging in den Untergrund und bewaffneten Kampf.

Die zentrale Aufgabe, die zu Klampen ihm gestellt habe, sei gewesen, eine Erklärung zu geben, warum ein intelligenter Mensch aus gutbürgerlichem Haus, einer berühmten Schauspielerfamilie, zur Waffe greife. „Da kann man nichts erklären und schon gar nichts bekennen“, so Wackernagel. Nein, das Buch sei weder Autobiografie noch Erinnerungs- oder Bewältigungsliteratur. Der Autor hat seine Vergangenheit in ein fiktives Tagebuch gepackt. Und das ist weder Abrechnung noch Bitte um Absolution.

„Ja, die Arbeit am Buch hat therapeutische Wirkung gehabt, mich in große Krisen gestürzt“, gesteht er. „Der da ist mein Therapeut“, sagt er mit einem Blick auf zu Klampen.

Wackernagel weiß seinen Text in Szene zu setzen. Es ist still, als er über Jugendjahre, Studentenproteste, seine Festnahme, die Stammheimprozesse und ehemalige RAF-Mitglieder spricht. Gudrun Ensslin, Jan Karl Raspe, Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Sein sensibles Zeitgeistgemälde rührt an. Und stellt Fragen in den Raum: Warum? Was hat sich geändert? Wackernagel macht klar, dass Gewalt der falsche Weg war und ist. Aber die gesellschaftlichen Verhältnisse damals und heute? Das muss und kann sich jeder der Zuhörer selbst beantworten. Was soll, was darf, was kann man heute tun? Sicher, das Goethe-Institut wird jemanden wie ihn nicht auf internationale Lesereisen schicken. Trotzdem, gerade für junge Leute wie die „Friday-for-Future-Kids“ sei Wackernagels „RAF oder Hollywood“ wichtig, meinte auch die Staatssekretärin im Kultusministerium, die Völksenerin Gaby Willamowius.

Ohne aus heutiger Sicht zu verurteilen, wollen Wackernagel und sein Verleger eine Vorstellung von dem geben, was eigentlich unerklärbar ist. Mit Erfolg.



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