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Estnische Gräber beschäftigen den Ortsrat

SPRINGE. Auf dem Alten Friedhof liegen die Grabsteine von 61 Esten, die durch den Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren haben. Die Friedhofskommission möchte verhindern, dass das Schicksal der Menschen vergessen wird: Für sie soll eine Gedenkstätte errichtet werden.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Über die Erinnerung an die Esten wird Mittwochabend der Springer Ortsrat diskutieren. Die Geschichte – und auch die Existenz der Grabsteine – sei ihr bislang nicht bekannt gewesen, gibt die Vorsitzende der Friedhofskommission, Claudia Starke, offen zu. Deshalb sei das Thema aber keinesfalls weniger wert: „Es geht um Erinnerungskultur. Und die ist uns wichtig.“

Auf dem Alten Friedhof gibt es eine kleine Abteilung, in der ab dem Jahr 1960 die Gebeine von 61 Senioren bestattet wurden, die ursprünglich aus Estland stammen. Es handelt sich dabei um „Displaced Persons“ – Zivilpersonen, die sich kriegsbedingt außerhalb ihres Heimatstaates aufhielten und später weder zurückkehren noch sich im neuen Land ansiedeln konnten. Meist handelte es sich um Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte. Die alliierten Armeen rechneten 1944 mit 11,3 Millionen „Displaced Persons“.

Die Esten waren in Lagern wie dem in Varel/Oldenburg untergebracht. Für sie wurden in Deutschland Altenheime gebaut – auch in der Deisterstadt. Der Springer Eike Rehren hat den Ortsrat darauf aufmerksam gemacht, dass die Ruhefrist für die Gräber im Jahr 2024 ausläuft – 35 Jahre, nachdem die letzte estnische Bewohnerin der DRK-Einrichtung an der Eldagsener Straße verstorben ist.

„Gut 50 Grabsteine sind noch erhalten“, sagt Starke. Ganz genau wisse das derzeit niemand, denn einige der Sandsteinplatten sind unter Bäumen verschwunden, andere abgesackt. Die Kommission schlägt dem Ortsrat vor, aus den Steinen eine kleine Gedenkstätte zu formen. Am liebsten am Eingang des Alten Friedhofs, in der Nähe der dort bereits vorhandenen Denkmäler. Auch die Stadtverwaltung steht hinter diesem Plan. Sollten die Gräber in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben, „würde dies für den Friedhofsbetrieb eine zu hohe finanzielle Belastung darstellen“, so die Verwaltung.

Der Springer Ortsrat tagt Mittwoch ab 18 Uhr im unteren Sitzungssaal (Seniorenzentrum) des Alten Rathauses. Auf der Tagesordnung stehen 15 Punkte. Es geht unter anderem über den weiteren Fernwärmenetz-Ausbau.



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