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Überfall auf den Kiosk am Ebersberg: Amtsgericht verurteilt vierten Täter / 16 Monate Haft

„Er hat den Glauben an sich verloren“

Springe (mari). Knapp zwei Jahre ist es her, dass vier junge Männer den Kiosk am Ebersberg überfallen haben. Im fünften Anlauf ist gestern vor dem Amtsgericht auch der letzte Täter verurteilt worden. Der Fall wird die Justiz allerdings noch länger beschäftigen: Anfang September beginnt vor dem Landgericht Hannover die erste von mindestens zwei Berufungsverhandlungen.

Der Kiosk am Ebersberg: Bei dem Überfall im Oktober 2009 soll der jetzt Verurteilte „wie ein Gespenst“ an der Tür ge

Ein Abend im Oktober 2009. Zwei junge Hamelner besuchen ihre beiden Bekannten in Springe. Nachdem die Polizei die Gruppe trifft, auf Drogen durchsucht und dabei fündig wird, ist einer von ihnen sauer. „Um wieder an Geld zu kommen, wollten wir irgendwo einen Bruch machen“, erinnert sich einer. „Aber wir haben gesagt: ,Wo‘s hier was zu holen gibt, waren wir doch schon überall.‘ Dann kam uns die Idee, ein Geschäft zu überfallen.“ Die Läden hatten jedoch schon zu. „Blieben nur noch die Tankstelle und der Kiosk. Und die Tankstelle war zu weit weg.“

Einer der Täter, ein 22-jähriger Hamelner, der gestern verurteilt wurde, hatte eine Sturmhaube dabei. Für den Haupttäter bastelten sie zusammen aus einem T-Shirt eine Maskierung. Der nahm außerdem ein Messer mit.

Vor dem Kiosk wurde diskutiert, wer hineingehen müsse. Die Wahl fiel auf die beiden Hamelner, die anderen zwei warteten draußen. Was dann folgte, wird der Kiosk-Mitarbeiter wohl nie vergessen: Der Haupttäter bedrohte ihn erst mit dem Messer, dann hielt er ihm die Klinge an den Hals. Das Opfer muss seitdem psychisch betreut werden.

Während der Haupttäter und die beiden Männer, die Schmiere gestanden hatten, bereits zu Haftstrafen verurteilt wurden (einer von ihnen wurde gestern in Fußfesseln vorgeführt), war der 22-Jährige nicht zu seiner letzten Verhandlung erschienen. Auf den gestrigen Prozesstag musste er deshalb dreieinhalb Wochen in Untersuchungshaft warten.

Der Hamelner hat neun Vorstrafen. Den Sonderschulabschluss schaffte er erst hinter Gittern. Seine Mutter war Alkoholikerin, seinen Vater hat er nie kennengelernt. „Als er Kind war, war niemand da, der sich um ihn gekümmert hat“, stellte die Jugendgerichtshilfe „grobe Verwahrlosungstendenzen“ fest: „Er hat den Glauben an sich verloren.“

Das Jugendschöffengericht sprach den 22-Jährigen gestern wegen schweren Raubes für schuldig. Er muss für einJahr und vier Monate in Haft – die soll dabei jedoch nicht nur Strafe, sondern auch Hilfe sein. Der Hamelner soll die klaren Strukturen der Jugendanstalt nutzen, um seinen Hauptschulabschluss nachzuholen.



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