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Eltern-Taxi in der Kritik

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VON SANDRA HERMES UND RALF T. MISCHER

Kerstin Prietzel, Schulleiterin am Otto-Hahn-Gymnasium, erklärt: „Vor unserer Eingangstür spielen sich morgens vor der ersten und mittags nach der sechsten Stunde unschöne Szenen ab.“ Unschön? Damit meint sie: „Durch die vielen Eltern-Taxen entsteht einfach eine Enge für Autos und Busse, die nur Gefahren mit sich bringt. Busse kommen nirgends mehr lang. Die Kinder springen einfach aus dem Auto, ohne nach links oder rechts zu schauen.“

Und was macht die Schule dagegen? Auf die Einsicht der Eltern hoffen. „Bei jedem Elternabend versuchen wir zu vermitteln, dass Eltern ihren Kindern generell mehr zutrauen sollten. Die Kinder schaffen es auch allein zur Schule, sie müssen ja auch eigenständiger werden. Dazu gehört auch, allein zur Schule fahren zu können.“

Viele der Lehrer, die nach der Schule Aufsicht hätten, seien schon bei ihr vorstellig geworden, weil sie alarmierende Beobachtungen machten und schon des Öfteren eingreifen mussten. Prietzel ist der Ansicht, dass die Eltern-Taxen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hätten. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Eltern verstärkt darauf setzen, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, weil sie durch diverse Berichterstattungen oder auch durch das Internet verunsichert sind und meinen, so auf Nummer sicher zu gehen. Was aber so gar nicht funktioniert“, erzählt die Schulleiterin.

Laut dem Kontaktbeamten der Springer Polizei, Jens Günther, sei es in Springe bisher noch nicht zu gefährlichen Situationen für die Schüler gekommen. Zumindest nicht an den Grundschulen. Denn dort führt er mit weiteren Kollegen seit Schulbeginn Schwerpunktkontrollen durch. Er appelliert an die Eltern, Halteverbote, wie etwa im Bereich der Grundschule am Ebersberg und an der Grundschule Eldagsen, auch zu beachten. „Dort darf auch nicht zum Ein- und Aussteigen gehalten werden.“ Darauf habe er Elternimmer wieder hinweisen müssen.

Über die Probleme mit dem Halteverbot hat Karola Hildebrandt, Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule am Ebersberg, die Mütter und Väter bereits per Elternbrief informiert. „Es geht dabei ja nicht um irgendwelche Regeln an sich – sondern um das Wohl der Kinder“, sagt sie.

Durch wildes Parken entstünden Risiken, weil gerade die Erstklässler für Haltende nicht sofort erkennbar seien. Sie appelliert an Eltern, ihre Kinder so rasch wie möglich selbst den Schulweg gehen zu lassen. „Das stärkt ja auch das Selbstwertgefühl der Kleinen“, sagt die dreifache Mutter.

Günther würde sich generell wünschen, dass mehr Eltern ihren Nachwuchs selbstständig zur Schule gehen lassen. „Mir sind es noch zu viele Kinder, die gebracht werden.“ Zwar hege er Verständnis für die Eltern – betont aber, dass Kinder selbstständiger werden und den Verkehr besser kennenlernen, wenn sie den Weg zu Fuß gehen. Überdies erinnert er an die Aktion Gelbe Füße, mithilfe der die Schüler dazu angeleitet werden sollen, einen sicheren Fußweg zu gehen.

Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel weist zudem darauf hin, dass es gut für die Umwelt ist, wenn das Auto stehen bleibt. „So lernen die Kinder früh, dass es auch andere Möglichkeiten der Fortbewegung gibt“, sagt sie. Deshalb wirbt Härtel mit der Polizei im Rahmen der Aktion „gemeinsam zu Fuß zur Schule“ dafür, dass Erwachsene die Kleinen begleiten – an Fußhaltestellen, die überall im Stadtgebiet verteilt sind, sollen sie sich der Schulweggruppe anschließen können. „Das wird gut angenommen“, sagt Härtel.



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