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„Elon“ tobt durch Springe

Springe. Das Orkantief „Elon“ hat an der zwei Jahre alten Biogasanlage am Schwarzen Koppelweg schwere Schäden angerichtet. Das Dach des Gär-Restlager löste sich aus seiner Halterung, riss und hängt jetzt in Teilen vom Gebäude. Landwirt Friedrich Henkels informierte umgehend das Gewerbeaufsichtsamt und drehte die Gasleitungen erst mal ab.

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Eine Gefahr für Anwohner oder Spaziergänger habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, versichert Henkels. Das Kuppeldach hat zwar einen Durchmesser von 34 Metern, besteht jedoch nicht aus schweren Teilen, sondern nur einer Spezialfolie. Im nicht-beheizten Lager wird der entstandene Dünger aufbewahrt.

Selbst wenn die Haube eines der benachbarten Gasbehälter (Fermenter) beschädigt worden wäre, hätte es keine Gefahrenmeldung gegeben: „Das Gas wäre in die Atmosphäre entwichen. Das ist dann so, als wenn ganz viele Kühe auf einmal pupsen.“

Der Schaden belaufe sich auf mehrere tausend Euro. Die neue Dachhaut ist bestellt und wird wohl Mittwoch geliefert, kann aber erst bei Windstille aufgezogen werden. „Das ist schon ärgerlich“, sagt Henkels. „Wir sind aber glücklicherweise versichert.“ Ein Mitarbeiter hatte den Schaden gestern Morgen um 8.30 Uhr bemerkt. Bei Spaziergängern war der Vorfall sofort Gesprächsthema.

Waldwege gesperrt: Stadtförster Bernd Gallas rät am restlichen Wochenende dringend von Waldspaziergängen ab. „Niemand kann vorhersagen, wie sich der Sturm hier entwickelt. Häufig sind wir durch den Deister geschützt. Aber das trifft leider nicht immer zu.“ Äste können herabfallen, ganze Bäume entwurzeln. Zwar kontrollieren die Förster die Stämme regelmäßig, „bei so einem Sturm können plötzlich auch kerngesunde, dicke Bäume umstürzen“. Wer sich heute oder morgen bewegen möchte, sollte lieber auf die Feldwege ausweichen.

Feuerwehr und Polizei im Dauerseinsatz: Zahlreiche Einsätze hatten Polizei und Feuerwehr gestern wegen des Sturms zu bewältigen. Die gute Nachricht: Verletzte sind nicht zu beklagen. Ein Überblick:

7.18 Uhr: Am Kindergarten in Altenhagen I stürzt ein Baum auf die Fahrbahn, den die Einsatzkräfte per Motorsäge beseitigen.

7.32 Uhr: Beim Wisentgehege pustet der Wind am Fahrbahnrand gelagerten Baumschnitt auf die Straße.

8.08 Uhr: Auf dem Parkplatz der Berufsbildenden Schule reißt der Wind einer Autofahrerin die offene Tür aus den Händen. Dabei wird ein weiteres Auto beschädigt. Die Polizei nimmt den Vorfall auf.

8.14 Uhr: Die Feuerwehr wird zur K 216 zwischen Gestorf und Völksen gerufen, weil ein umgestürzter Baum angeblich die Fahrbahn blockiert. Dann stellt sich heraus: Es ist nur ein abgebrochener Ast, den Autofahrer schon selbst beseitigt haben.

9.50 Uhr: In Mittelrode bricht an der Straße „Am Holze“ ein Baum auf einem Grundstück ab, liegt auf der Fahrbahn. Auch hier kommt die Feuerwehr mit Motorsäge zum Einsatz. Ein weiterer Baum droht umzustürzen – er wird ebenfalls gefällt.

10.35 Uhr: Noch ein Baum, noch eine Motorsäge – dieses Mal an der Straße „Neue Rodenbeeke“ in Alvesrode.

10.41 Uhr: Etwas ernster wird es sechs Minuten später am Daberg in Völksen: Dort trifft ein Baum ein Wohnhaus, drückt Dachziegel ein. Die Feuerwehr sichert Möbel und Hausrat mit Planen gegen Regenwasser. Um die Beseitigung des Baums kümmert sich der Hausherr selbst.

11.38 Uhr: Die als „Bierschnellweg“ bekannte Verbindung zwischen Eldagsen und Mittelrode wird ebenfalls von einem Baum blockiert. Die Beseitigung stellt für die Feuerwehr kein Problem dar.

Wisentgehege zu: Kurz vor Heiligabend hatte Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig den Tierpark bereits wegen Unwetterwarnungen schließen müssen. Gestern Morgen war das erneut erforderlich: Seit fünf Jahren ist in der Betriebsordnung des Geheges geregelt, dass Besucher die Einrichtung ab Windstärke 7 nicht mehr betreten dürfen.

Für dieses Wochenende sind für das Festland Werte bis Windstärke 11 vorhergesagt. „Da müssen wir nicht lange diskutieren“, sagt Hennig. „Betreten verboten“ heißt es auch am heutigen Sonnabend. Auch die Braunbären Siegfried und Karla haben keinen Ausgang: Sie müssen im Stall bleiben. Die Bären sind die Gehegetiere mit dem höchsten Gefahrenpotenzial – selbst wenn der Sturm Zäune oder Absperrungen beschädigen sollte, müssen sie in jedem Fall gesichert sein.

Wochenmarkt schlecht besucht: Auf dem Freitagsmarkt war deutlich weniger los als gewohnt. „Vor allem ältere Besucher trauen sich bei dem Wetter nicht auf die Straße“, sagt Marktleiter Peter Eicke. Auch zwei Standbeschicker hatten sich abgemeldet – das Risiko, dass der Sturm Schäden anrichtet, war ihnen zu hoch. Dass fünf weitere Beschicker fehlten, hatte einen anderen Grund: „Die sind noch in den Ferien“, erklärt Eicke.



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