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Das Verhältnis zwischen Museum, Stadt und Politik ist – gelinde gesagt – frostig

Eiszeit auf dem Burghof

Springe. Es dauert nicht lange, da ärgert sie sich schon wieder. Es hilft nicht viel, dass ihre Vorstandskollegen sie besänftigen wollen. Angelika Schwager muss das jetzt einfach sagen: „Wir sitzen hier nicht nur und trinken Kaffee!“ Seit Monaten fühlen sich die ehrenamtliche Museumschefin und ihre Mitstreiter ungerecht behandelt, kaputtgespart. Und Schwager tut das lautstark kund, immer und immer wieder. Bei Stadt und Politik stößt das auf wachsendes Unverständnis.

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VON CHRISTIAN ZETT

Gerade erst haben sie im Museum ein richtig großes Projekt abgeschlossen: In der dritten Etage kann man neue Fenster, neu gezogene Wände und neue Räume bewundern; aufgeräumter sieht es hier aus, wo sich früher der Kornspeicher befand. Finanziell habe der Museumsverein die Verschönerung selbst gestemmt, sagt Schwager: „Wir haben den Wert des Hauses erhöht. Aber ohne Handwerker wäre das nicht möglich gewesen.“

Die Stelle des Handwerkers, sie ist einer der Gründe für die Eiszeit auf dem Burghof – aber nicht der einzige. Das Museum darf die Dienste des bei der Stadt angestellten Fachmanns nur noch bis zum 13. jeden Monats nutzen. Danach ist er für den Betriebshof oder als Hausmeister tätig. Projekte wie die Umgestaltung des Obergeschosses seien so nicht mehr möglich, klagt Schwager.

Die Fehde, die sie mit Stadt und Politik führt, geht aber noch weiter. Sie handelt von verletzten Eitelkeiten, von gefühlter Ungerechtigkeit, von dem, was Schwager als mangelnde Wertschätzung ihrer Einrichtung sieht. „Ein Leuchtturm“, sei man für die Stadt, ruft die Vereinsvorsitzende, nicht zum ersten Mal. Als einen solchen hatte Bürgermeister Jörg-Roger Hische zuletzt etwa den Hermannshof oder den Kulturkreis bezeichnet. Schwager lässt durchblicken, dass ihr das nicht passt. Und wird direkt gescholten von ihren Mitstreitern, die neben ihr sitzen im großen Saal des Museums: „Wir reden nicht über andere, wir reden über uns“, sagt einer.

Aber Schwager ist jetzt in Fahrt. Sie spricht von den eingeschränkten Öffnungszeiten – ein Resultat der Sparpläne. Davon, dass bei der Musikschule oder beim Hallenbad nicht gespart werde: „Wir sind die einzige Institution, die das trifft.“

Einige Politiker, heißt es in der Runde, hätten sich in der Spardebatte durchaus für das Museum eingesetzt. „Manche wissen aber bis heute nicht, was wir hier eigentlich machen“, schimpft Schwager. Sie will die Ratsfraktionen bald einladen, um ihnen zu erklären, was der Verein als Träger des Museums alles macht.

Dann wird sie sich vielleicht auch die andere Seite anhören müssen. Einige Politiker könnten darauf hinweisen, dass das Museum eine freiwillige Leistung ist. Dass laut Ratsbeschluss eigentlich sofort 50 Prozent des Etats gespart werden sollten. Erst nach intensiven Verhandlungen mit Stadt und Politik einigte man sich auf das Modell mit dem Handwerker, durch das man auf 36 Prozent kommt. Den Rest der Summe soll der Verein bis 2016 selbst einsparen.

Im Rathaus sieht Vize-Bürgermeister Gerd-Dieter Walter die scharfen Worte aus dem benachbarten Museum ebenfalls kritisch. Die Einrichtung werden „deutlich stärker“ subventioniert als andere Kulturbetriebe – allein dadurch, dass sie einen städtischen Mitarbeiter nutzt und die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt.

Die 50-prozentige Kürzung des Budgets habe der Rat beschlossen: „Weil das aber nach Darstellung des Vereins zur sofortigen Schließung geführt hätte, gab es Verhandlungen.“ Es gebe aber durchaus nach wie vor – teilweise protokollierte – Forderungen aus dem Rat, nicht vom ursprünglichen Beschluss abzuweichen.

„Nur ein Kostenfaktor“ sei man, sagt Schwager schließlich voller Frust. Für Walter ist auch das unverständlich: „Die Qualität der Arbeit im Museum zweifelt niemand an. Das hat unbestritten auch einen positiven Effekt auf die Stadt. Aber wir behandeln alle Bereiche gleich.“ Auch das Jugendamt habe man aus finanziellen Gründen abgeben müssen – und nicht, weil dort schlecht gearbeitet wurde.



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