weather-image
24°
Museum, Musikschule: Der harte Sparkurs, den sich die Politik verordnet hat, weicht auf

Einkassiert

Springe. Das Museum? Muss die Hälfte seiner Ausgaben einsparen. Ferienfreizeiten? Werden nicht mehr gefördert. Musikgruppen? Auch nicht. Erst im März verabschiedete der Rat ein Sparpaket, das auch die Ehrenamtlichen in Springe hart trifft. Doch nach und nach weicht dieser Kurs auf: Die Musikschule bekommt ihr Geld nun doch – und beim Museum stocken die Spargespräche seit Monaten ohne Ergebnis.

270_008_6733064_Musikschul.jpg

Autor:

VON CHRISTIAN ZETT

Da platzt auch dem Grünen-Ratsherrn Uwe Mügge der Kragen: „Wir haben eine Entscheidung getroffen und die wird jetzt relativiert“, schimpft der Vorsitzende des Kulturausschusses. Grund seines Unmuts: Die zähen Gespräche zwischen Stadt und Museum. Schon seit dem Frühjahr steht fest: 80 000 Euro sollen in der Einrichtung ab 2014 pro Jahr gespart werden. Der Handwerker, einzige bezahlte Stelle im ehrenamtlich betriebenen Museum, soll zum Bauhof wechseln. Und nur noch stundenweise im Museum arbeiten.

Dass ein alter Vertrag mit der Stadt dem Museum einen Handwerker zusichert, hat die Politik schon länger für unerheblich erklärt: Sie will an ihrem Sparbeschluss festhalten. Jetzt muss aber Ordnungsamts-Chef Werner Mosch einräumen, dass man sich bislang nur auf eine Einsparung von 30 Prozent der Ausgaben geeinigt habe. Das entspräche nur der halben Handwerker-Stelle. „Wenn wir den Beschluss hundertprozentig durchsetzen, existiert das Museum nicht mehr“, warnt Mosch. Beim Museum verweist man wiederum auf einen eigenen Sparvorschlag, den man Bürgermeister Jörg-Roger Hische überreicht habe – dieser sei aber nie diskutiert worden. Jetzt soll der Finanzausschuss die endgültige Entscheidung treffen.

Bei der Musikschule ist die Entscheidung dagegen gefallen – beziehungsweise: aufgehoben worden. Zwar müssen Feuerwehrmusikzüge und Musikvereine weiterhin auf ihr Geld verzichten. Doch für die Musikschule sollen laut Kulturausschuss nun doch 4200 Euro eingestellt werden, um der Einrichtung die Möglichkeit auf Landesfördermittel zu erhalten.

Vorstandsmitglied Gerhard Schäfer und Schulleiterin Nana Zeh freut die Entscheidung. Zeh merkt jedoch kritisch an, der Etat der Springer Musikschule werde nur zu 2,3 Prozent aus städtischen Mitteln bestritten: „Niedersächsischer Standard sind eigentlich 40 Prozent.“ Damit sei Springe in dieser Hinsicht schon jetzt deutlich schlechter gestellt als alle anderen niedersächsischen Musikschulen. „Wenn man sich am Durchschnitt orientiert, bekämen wir mehr als 76 000 Euro“, so Zeh.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare