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Eine Stimme für alle: Zum Tag der Pressefreiheit

Foto: dpa
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Wer in diesen Tagen die Pressefreiheit verteidigt, dem gehen die mahnenden Beispiele nicht aus: die in der Türkei und anderen Ländern inhaftierten Journalisten, gewalttätige Übergriffe auf Kollegen, ein US-Präsident, der die freie Presse, die ihn kontrolliert und kritisiert, fast täglich und öffentlich in den Dreck zieht.

Da geht es uns doch richtig gut hier an Deister und Süntel, oder? Keine Frage: Politiker und Behörden ärgern sich zwar hin und wieder über Texte in der NDZ. Klar, weil wir auch mal Fehler machen. Aber vor allem, weil wir auf Unangenehmes hinweisen, weil wir Kritik üben.

Aber: Uns droht dafür niemand damit, die Redaktion zu schließen. Hier liegt niemand nachts wach, weil er Angst hat, wegen eines Artikels, eines Kommentars plötzlich im Gefängnis zu sitzen und nicht zu wissen, wie es mit ihm weitergeht.

Aber kann diese Erkenntnis der Maßstab sein? Sollen wir hier in Deutschland froh sein, dass es uns in Sachen Pressefreiheit besser geht als den Menschen in Nordkorea, Eritrea oder Turkmenistan – den Schlusslichtern auf der Pressefreiheits-Rangliste der Organisation „Reporter ohne Grenzen“?

Oder müssen wir hier vor unserer Haustür auch darauf achten, dass diejenigen, die für Öffentlichkeit sorgen sollen, auch Öffentlichkeit bekommen? Dass wichtige Entscheidungen für unsere Städte nicht in Hinterzimmern ausgekungelt werden. Dass diejenigen, die unsere Steuergelder ausgeben, dafür Rechenschaft ablegen müssen. Dass auch kritische Stimmen zu Wort kommen, wenn es um Großprojekte geht, um Schulschließungen oder darum, wie wir unsere Heimat gestalten wollen.

Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland garantiert die Presse- und Meinungsfreiheit: Jeder darf sagen und verbreiten, was er denkt, ohne dass der Staat das unterbindet. Auch Kunst, Forschung und Wissenschaft werden nicht derartig kontrolliert. Das heißt nicht, dass alles immer überall erlaubt ist: Persönlichkeitsrechte wiegen schwer – und auch die Wahrheit darf nicht wackeln. Und doch ist die Presse- und Meinungsfreiheit nur ein Baustein, eine wichtige Zutat unserer Grundrechte, die nur gemeinsam dafür stehen können, dass wir hier und im ganzen Land so frei wie möglich leben: die Entfaltung der Persönlichkeit, die körperliche Unversehrtheit, die Gleichberechtigung, der Schutz vor Diskriminierung, die Religionsfreiheit und andere Grundpfeiler.

Diese Rechte funktionieren als Paket. Wankt eines, wanken alle. Darum geht der heutige Tag und der auch danach dauernde Kampf um die Pressefreiheit uns alle an.

Die schreiben ja eh, was sie wollen – sagen manche über Journalisten. Was wir schreiben wollen? Das ist das, was passiert ist und das, was passieren wird. Vor allem aber: Warum es passiert, was es für Sie bedeutet und wie Sie sich dabei einbringen können.

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