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Warum sich in Springe mehr als 100 Geocacher aus ganz Norddeutschland zum Müllsammeln treffen

Eine große Familie macht sauber

Springe. „Mudelpütze“ hat alle Hände voll zu tun. Um den Mann, der im wahren Leben Peter heißt, scharren sich die Leute mit festen Schuhen und Jack-Wolfskin-Jacken. Erwachsene, Kinder, Hunde – heute ist alles nach Springe gekommen, was laufen kann. Und es gibt viel zu tun: Zum ersten Mal haben Geocacher bei einem großen Event in Springe Müll gesammelt. Menschen, die gerne in der Natur sind, Interessierte, die sich für ihre Umwelt einsetzen.

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Autor:

Markus Richter

Der Berg ist gigantisch, der nach zwei Stunden Fleißarbeit zusammen kommt. Alte Reifen, Auspuffteile, ein Koffer, Metall, Papier, Flaschen, Säcke, Säcke, Säcke – mehr als 100 Ehrenamtliche haben gestern ganze Arbeit im Stadtgebiet geleistet. „Maddin37“ hat seine Kinder mitgebracht. Der alleinerziehende Vater aus Hannover infizierte die siebenjährigen Zwillinge Lisa und David vor drei Jahren mit dem Virus des Geocachings. Zusammen mit mehr als 100 Freiwilligen geht es durch die Feldmark südlich der B 217, an den Schulzentren Süd und Nord, an der Kaiserallee und durch weitere Teile der Stadt. Organisator „Mudelpütze“ hat die Gruppen eingeteilt. Sein Anliegen: beweisen, dass die oft gescholtene Schatzjägergemeinde in Wahrheit nicht aus Rüpeln besteht, die Dreck machen, sondern aus Familien, die einfach das Abenteuer in der Natur suchen. Erstaunlich ist: Viele haben an diesem Sonntag weite Anreisen auf sich genommen. Sie machen dort sauber, wo sie selbst nie gewesen sind.

„Maddin37“ und seine Zwillinge kriechen durch Sträucher, säubern den Flusslauf der Haller. Der Vater sieht in dem Ereignis auch einen pädagogischen Nutzen: Wer den Müll von anderen einsammelt, überlegt es sich zweimal, ob er sich selbst ebenso verhält. „Wir reisen nie mit dem Auto zum Cachen an, sind immer zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn unterwegs.“ Und so kommt die Familie bei Tagestouren trotzdem bis ins Ruhrgebiet, nach Thüringen oder in den Harz.

„Auch das hier gehört zu unserem Hobby dazu“, meint ein Cacher mit dem Spitznamen „DF6AD“, abgeleitet von seinem Code als Amateurfunker. Mit seiner Frau ist er aus Lamspringe angereist. Überhaupt: Sehr viele Auswärtige sind dabei, es ist das einzige Event dieser Art, dem CITO („Cache in Trash out“) im Großraum Hannover, Hameln, Hildesheim, angelehnt an einen weltweiten Aktionstag.

„Meine Mutter ist eine ganz fanatische Cacherin“, sagt Daniela und lacht. Sie kommt aus der Lüneburger Heide. Ihre neujährige Tochter Nosipho ist mit dabei. Normalerweise begleitet das Mädchen ihre Oma bei den Touren, sammelt Dosen, trägt sich als Beweis für den Fund in die sogenannten Logbücher ein. „Ich muss dann für Oma manchmal in einen Baum klettern“, sagt Nosipho stolz. Eigentlich ist sie kein großer Fan von Spaziergängen. „Doch wenn man etwas findet, dann macht es Spaß.“ Und Mutter Daniela ergänzt: „Geocaching ist auch Bildung, manchmal lese ich mich in Themen ein, auf die ich sonst nie gekommen wäre.“ Die Oma heißt Marja, nennt sich aber in der Welt des Cachens nach der Enkelin „Nosipho“. Die gebürtige Niederländerin sagt, sie laufe ungern „ohne ein Ziel durch die Welt“. Das Hobby mit dem GPS-Empfänger eröffne neue Perspektiven, überraschende Anreize. „Plötzlich sehe ich die Welt mit anderen Augen.“ Sie hat festgestellt: Die Gemeinde ist wie eine große Familie, man läuft sich immer wieder über den Weg, schließt Freundschaften – auch heute in Springe, einer durch den Deister beliebten Cacher-Gegend. Später wird sich Marja im Internet einloggen, dokumentieren, dass sie dabei war. Für jeden Teilnehmer gibt es ein Souvenir in Form einer digitalen Plakette für die Profilseite.

Völlig angetan ist auch Ortsbürgermeister Carsten Marock: Er spendiert im Namen des Ortsrates Bratwürste am Schulzentrum Süd, steht am Grill und staunt über die Müllmenge: Da sei mindestens genauso viel zusammengekommen, wie bei der Aktion Saubere Stadt vor zwei Wochen. Auch Peter, „Mudelpütze“, ist rundum zufrieden: „Das hätte ich nicht gedacht – eine super Aktion!“



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