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Eine außergewöhnliche Ehrung

BOITZUM. Wie ungewöhnlich das ist, haben sie erst gemerkt, als sie den Antrag stellen wollen: 75 Jahre? Das war auf dem Formular des Landesverbands gar nicht vorgesehen. Und doch ist es wahr: So lange ist Friedrich Weber schon Mitglied bei der kleinen Boitzumer Feuerwehr.

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Autor:

Simone Hempelmann

Seine Kameraden feierten ihn jetzt auch bei der Jahresversammlung, wo der stellvertretende Brandabschnittsleiter Benjamin Moß und Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe dem 92-jährigen die Ehrenzeichen überreichten.

„Ein solches Jubiläum ist wirklich etwas ganz Besonderes. Wir können uns nicht erinnern, dass es eine solche Auszeichnung im Springer Stadtgebiet schon einmal gegeben hat“, sind sich Moß und Tschöpe einig. „Lasst euch den Kameraden Weber ein Vorbild und ein Ansporn sein“, wandte sich Tschöpe an die jüngeren Mitglieder.

„Als ich diese außergewöhnliche Ehrung beim Landesfeuerwehrverband beantragt habe, habe ich gestutzt: Das Formular endet bei der Ehrung für 70 Jahre, die 75 war überhaupt nicht vorgesehen“, schmunzelte Ortsbrandmeister Frank Littmann. Er habe das Formular dann handschriftlich geändert, und es hat alles geklappt.

Friedrich Weber, den Boitzumern bekannt unter dem Spitznamen Fritzemann, hat in seinen langen Dienstjahren viel Feuerwehrgeschichte miterlebt. Bei seinem Eintritt in die Wehr am 1. Januar 1942 standen das Land und auch die Feuerwehr unter den Einwirkungen des Zweiten Weltkrieges. In Boitzum gab es damals 14 aktive Feuerwehrmänner in Boitzum, dazu fünf Pflichtfeuerwehrmänner. Acht Kameraden waren zum Wehrdienst eingezogen. Brandmeister war Reinhold Kreipe. Hydranten gab es damals noch nicht, das Löschwasser wurde aus Feuerlöschteichen, Brunnen oder fließenden Gewässern über lange Schlauchleitungen transportiert.

Bei der Einweihung der neuen Tragkraftspritze im Jahr 1954 war Friedrich Weber ebenso mit von der Partie wie bei den regelmäßigen Feuerwehrdiensten und -übungen. Obwohl er ein eigenes Baugeschäft betrieb, richtete er es immer ein, die nötige Zeit für die Feuerwehr zu erübrigen. 1967 wurde unter seiner Leitung der erste Vergnügungsausschuss gebildet, der fortan damit beauftragt war, die Vorbereitungen für das alljährliche große Feuerwehrvergnügen, das zu der Zeit noch im Mehler Waldhaus stattfand, zu treffen. Ein Jahr später übernahm er zusätzlich noch die Aufgaben des Schriftführers und Kassenwartes, die er bis 1975 ausübte.

Auch seit seiner Übernahme in die Altersgruppe schlägt das Herz des interessierten Seniors immer noch für seine Feuerwehr: Wenn direkt vor seinem Haus ein Übungsdienst als Wettkampfvorbereitung stattfindet, schaut er den jungen Kameraden gern dabei zu. Und wenn es die Gesundheit erlaubt, nimmt er auch immer noch gern an den verschiedensten Feuerwehrveranstaltungen teil . Das alljährliche herbstliche Preis-Knobeln war über Jahrzehnte lang seine Lieblingsveranstaltung, aber auch das Braunkohlessen und das Osterfeuer nutzte der Senior gern und regelmäßig, um den Kontakt zur Feuerwehr aufrecht zu erhalten.

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