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Ein Segen für Menschen mit Behinderung: Eigene vier Wände

BENNIGSEN. „Jetzt habe ich endlich mal wieder Tee getrunken“, sagt Annette Schultz zufrieden. Im Treffpunkt der Diakonischen Einrichtung Himmelsthür sitzt die geistig behinderte Frau am Tisch und schimpft über ihre Erkältung. „Das nervt mich so!“

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Ihre eigene Wohnung befindet sich einige Häuser weiter über der Dönerbude in Bennigsen. Und auch wenn der Tee dort nicht in Strömen fließt, liebt sie ihr Zuhause, räumt auf, teilt sich die Wohnung mit ihrem Freund Michael. Dessen Nachname fällt ihr gerade nicht ein. Wohl aber, dass der „immer nett ist“. - Im Unterschied zu vielen anderen Mitbewohnern, die sie im Lauf ihres Lebens ertragen hat.

Wie viele Menschen mit geistiger Behinderung hat Annette Schultze den Großteil ihres Lebens in Heimen oder Wohneinrichtungen verbracht. Große Flure, standardisierte Zimmer, voller Menschen auf deren Auswahl und Manieren sie keinen Einfluss hatte. In ihrem heutigen Leben ist das anders. So selbstständig zu wohnen, hat Annette Schultz sich klar gewünscht. Und sie wurde danach gefragt. Dass dies geschah, steht vor dem Hintergrund der großen Inklusionsdebatte in Deutschland. Es ist politisch gewollt, dass Menschen mit Behinderung selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft sind. Mittendrin leben statt fernab unter sich.

In Bennigsen – dem einzigen Standort dieser Art in der Region Hannover – leben inzwischen 14 Menschen so. Viele von ihnen arbeiten. Hobbymäßig haben zwei der Frauen sich einem Strickkreis angeschlossen.

Wenn die acht Mitarbeiter am Bennigser Standort einkaufen gehen, treffen sie auch privat auf die Menschen, die sie sonst von Berufs wegen dabei unterstützen, ein einigermaßen rundes Leben zu führen. „Die einen brauchen Hilfe, weil sie beim Einkaufen regelmäßig ihr Budget sprengen“, andere wollen sich gesünder ernähren und bekommen dabei Unterstützung“, erklärt Sozialarbeiterin und Standortsleiterin Katja Musahl. Zu der Bennigser Gruppe, die den Weg in die Eigenständigkeit wollte, gehört ein „junger Wilder“, der mit 18 Jahren seine erste eigene Wohnung bezog. Aber auch eine Rentnerin, die Zuhause gern alles stehen und liegen lässt, wenn ihr danach ist.

Neben vier Singlewohnungen und zwei Paarwohnungen gibt es zwei Dreier-WGs in Bennigsen. Diese Vielfalt hat sich als sinnvoll erwiesen, denn wie im normalen Leben gibt es auch hier Knatsch, entstehen Beziehungen, kommen Brüche vor. Annette Schultze und ihr Lebensgefährte hatten sich bei der Arbeit kennengelernt und „rumgeknutscht und so“, bevor sie zusammenziehen wollten.



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