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Ehepaar aus Altenhagen I hatte Fahrt auf der Costa Concordia gebucht – und kehrte wieder um

Ein Schutzengel verhinderte ihr Unglück

Springe. Auf die Enttäuschung folgte schnell die Erleichterung: „Wir wissen heute, dass wir verfluchtes Glück hatten“, sagt Helmut Siewert. Als die Costa Concordia am Freitagabend vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio mit 4200 Menschen an Bord havariert, erhalten er und seine Frau Kirsten einen Anruf – eigentlich war für den nächsten Tag der Start ihrer Kreuzfahrt mit dem Unglücksschiff geplant.

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Autor:

Markus Richter

Die Altenhägener befinden sich in der Schweiz, übernachten in einem Hotel. Dabei sind auch zwei Damen im Alter von 80 Jahren, eine davon Kirsten Siewerts Mutter. Am Abend freuen sie sich auf die einwöchige Mittelmeer-Kreuzfahrt, die sie am nächsten Mittag von Savona, über Marseille, Barcelona, Palma, Cagliari und Palermo wieder zurück führen sollte. Nahe der italienischen Grenze erhalten sie eine Nachricht auf dem Handy: „Freunde haben auf die Mailbox gesprochen, dass wir nicht mehr weiter zu fahren brauchen“, erinnert sich Kirsten Siewert. Die Urlauber glauben an einen Scherz. Und ihr Reisebüro in Springe hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von dem Drama, das sich an der toskanischen Küste ereignet hat. Reiseveranstalter Costa rät den Altenhägenern, umzukehren.

Zu Hause angekommen sieht die Familie dann das gesamte Ausmaß in den Nachrichten, die um die Welt gehen. „Da waren wir heilfroh, dass wir da nicht dabei waren“, sagt die Ehefrau. Eigentlich wollte sie ihren 50. Geburtstag in Barcelona während der Reise feiern.

Glück hatten sie dennoch: Dass sich die Katastrophe auf dem Luxusliner nicht ein paar Stunden später ereignete. Dass sie in der Vorwoche doch arbeitsbedingt keinen Urlaub machen konnten, wie es eigentlich geplant war. „Da denkt man an seinen Schutzengel“, sagt Helmut Siewert. Der 56-Jährige glaubt schon, dass er und seine Frau sich irgendwie von Bord hätten retten können. Allerdings: Mit den beiden Seniorinnen, von denen eine auf den Rollstuhl angewiesen ist, wäre das wohl deutlich schwieriger geworden – inmitten all der panischen Menschen.

Jetzt hoffen die Altenhägener, ihre Unkosten erstattet zu bekommen. Immerhin waren sie über elfhundert Kilometer nach Italien und zurück gefahren. Seine fünfte Kreuzfahrt will das Ehepaar dennoch angehen. Im Sommer steht eine weitere Reise an – mit einem Schiff der Costa-Flotte. An ein erhöhtes Risiko glauben sie nicht: „Wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann man auch auf der Straße überfahren werden“, meint sie. Und er ergänzt: „Wir werden uns auf der nächsten Reise bestimmt den Fluchtweg besser einprägen, aber Angst haben wir nicht.“

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