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Ein paar Meter Lebensgefahr

Springe. Brennpunkt Bahnhof: Der vermeintlich schnelle Weg über die Gleise zum Zug ist verlockend – aber er kann tödlich enden.

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Detlef Lenger ist überzeugt: „Dass bisher noch nichts passiert ist – das ist reine Glückssache.“ Lenger ist Präventionsbeauftragter bei der Bundespolizei. Und nur wenige Bahnhöfe in der Region Hannover machen ihm und seinen Kollegen so viel Kummer wie der in Springe. Hauptgrund: der Zug, der werktags gegen 7.30 Uhr aus Hannover kommt und viele hundert Berufsschüler an den Deister bringt. Von denen läuft ein kleiner Teil jeden Morgen über die Gleise, verlässlich, seit Jahren. Trotz Kontrollen und Geldstrafen, trotz Fahrscheinentzug, trotz Aufklärungsarbeit.

„Wir sind inzwischen in einem Stadium, bei dem wir uns hinstellen und so viele Denkzettel wie möglich verteilen“, sagt Lenger und seufzt. Eigentlich passt ihm das nicht, eigentlich mag er seine Bundespolizei nicht in der Rolle des Abkassierers, der sich morgens in Zivil an den Bahnhof stellt, die Schüler von den Gleisen greift und ihnen jeweils 25 Euro abknöpft. „Eigentlich ist unser Motto: Prävention statt Repression.“

Aber was, wenn alle Versuche fehlschlagen, wenn sich immer wieder erwachsene junge Menschen gegen jegliche Vernunft in Gefahr begeben? Tausende Schüler besuchen die Springer BBS, immer wieder kommen neue nach. Und meistens braucht es nur einen, um das Problem wieder anzufachen: „Wenn der losläuft, laufen die anderen hinterher.“ Gerne auch mal mit Kopfhörer im Ohr oder dem Blick aufs Handy.

Der Anlass für den morgendlichen Fehltritt ist nichtig: Weil hunderte Fahrgäste gleichzeitig in den Fußgängertunnel drängen, kommt es zu kleineren Rückstaus. Dann wird einigen die Wartezeit zu lang.

„Sie würden doch auch nicht über die Autobahn laufen“, sagt Lenger. Und selbst dieser Vergleich hinkt ein bisschen. Denn ein Zug kann im Ernstfall noch nicht mal versuchen, auszuweichen. Der Bremsweg eines Zuges ist bis zu 30 Mal länger als bei einem Auto. Selbst wenn der Zugführer die Person auf dem Gleis früh sieht, kann er gar nicht schnell genug reagieren. Dazu kommt: Insbesondere Züge, die nicht anhalten, sondern durch Springe durchfahren, sind in ihrer Geschwindigkeit schwer einzuschätzen.

Lenger ist regelmäßig an der Springer Berufsschule zu Gast, um aufzuklären und zu warnen. Mit zweifelhaftem Effekt. „Mit Grundschülern können Sie üben. Aber hier reden wir größtenteils von Erwachsenen, die können bei so etwas ein undankbares Gegenüber sein. Sie lassen das alles über sich ergehen.“



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