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22-jähriger Fahrer nach dramatischem Unfall zu Geldstrafe verurteilt

„Ein Leben lang darunter leiden“

Springe (ric). Es sind schockierende Bilder, an die sich die junge Frau (25) erinnert: Eine offene Fraktur, der Knochen ihres Arms ragt durch die blutgetränkte Jacke. Der voll besetze BMW ist nur noch ein Wrack. Unfallopfer schreien vor Schmerzen. Die Feuerwehr muss die Eingeklemmten herausschneiden. Gestern musste sich der Fahrer vor dem Springer Amtsgericht verantworten.

Endstation Steinmauer: Im März kracht ein BMW mit hohem Tempo dagegen, gestern musste sich der junge Fahrer für seine Tat verant

Der Horror-Crash geschieht am späten Abend des 8. März. Schüler des Bildungszentrums für den Einzelhandel trinken und feiern nach dem ersten Seminartag in der Kneipe „Bildungslücke“. Das Geschehen nimmt seinen Lauf, als der damals 21-Jährige zu seinem Wagen geht. Er hat getrunken, 0,56 Promille im Blut. Und er hat keinen Führerschein, weil er sich schon mehrere Delikte in der Probezeit geleistet hatte. Er widersetzt sich seiner langjährigen guten Freundin. Denn abgesprochen war, dass die heute 28-Jährige seinen Wagen aus Gelsenkirchen ins BZE-Hotel an der Oppelner Straße zurückfährt. Im Fond des Wagens befinden sich zwei junge Männer und eine heute 25-Jährige aus Leverkusen. Die Nebenklägerin berichtet: „Wir saßen schon im Auto, wollten nicht, dass er fährt. Wir baten darum, dass er uns aussteigen lässt – das wollte er nicht.“ Mit dem Wagen dreht der Angeklagte ein paar Runden oben am Berg, dann dreht er offenbar durch und tritt aufs Gas: Mit vermutlich 80 Sachen prescht sein Coupé die Johann-Heinrich-Schröder-Straße hinunter. Dort ist Tempo 30 erlaubt, die Straße ist glatt. Und dann: die Mauer, die Endstation einer angsterfüllten Fahrt. Die schrecklichen Sekunden des Aufpralls.

Heute leiden fast alle der fünf Insassen unter schwerwiegenden Folgen, auch der Fahrer, der mit zahlreichen Frakturen und einem Riss des Augenlids eineinhalb Wochen im Krankenhaus lag. Schwerwiegendste Folgen trug jedoch die Frau von der Rücksitzbank davon: Durch einen Nervenschaden kann sie ihre Hand nicht mehr richtig bewegen, sich nicht mehr die Schuhe zubinden, nicht mehr mit Messer und Gabel essen. Weitere Operationen stehen noch aus, ihre Ärzte entscheiden demnächst, ob das Handgelenk versteift wird. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht, auch beruflich“, sagt sie. Ein Leben lang werde sie darunter leiden. Die Stimmung im Gericht ist bedrückt, der Unfall wirkt nach, auch bei der 28-Jährigen, die heute nichts mehr mit dem jungen Fahrer und ehemaligen Kumpel zu tun haben will, auch wenn der sich entschuldigt hat.

Die Richterin verurteilt den Kaufmann zu einer Strafe von 90 Tagessätzen à zehn Euro, sein Führerschein wird weitere 18 Monate einbehalten. Er soll vorsätzlich gehandelt haben. Seine Jobzusage wurde vom Arbeitgeber längst zurückgenommen. Auch finanziell muss er sich wohl auf hohe Folgenkosten einstellen.

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