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Bürgermeisterkandidat Friedrich Woltmann möchte keine Kopie seines Vaters sein

Durch und durch ein Familienmensch

Friedrich Woltmann möchte Springes nächster Bürgermeister werden. Foto: col

Von Rusmira colic

Alvesrode. Vieles in Friedrich Woltmanns Leben war ungeplant oder geschah zufällig. Trotzdem würde er nichts ändern wollen. Schließlich habe es ihn dorthin gebracht, wo er heute steht.

Frido, wie ihn seine Freunde nennen, wächst auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern in Alvesrode auf. Seinem Heimatdorf kehrt er nie den Rücken. Seine Frau Evelyn lernt er in der Grundschule kennen, aber damals spielen ja Jungen und Mädchen noch nicht miteinander. Die Liebe kommt erst später – zufällig.

Das spätere Paar trifft sich bei einem Ball in Alvesrode, ob vom Gesangverein oder von der Feuerwehr, weiß Woltmann nicht mehr. Dafür aber das genaue Datum: 14. Oktober 1979. Neun Jahre später heiraten die beiden. Im gleichen Jahr kommt Sohn Marco als Frühchen zur Welt. „Diese Zeit möchte ich nicht noch einmal erleben – sechs Wochen lag er in der Kinderklinik auf der Bult“, berichtet Woltmann sichtlich bewegt.

Er kümmert sich um das Baby und wird Teilzeit-Hausmann, worunter das Studium etwas leidet. „Ich habe dann zwar 13 Semester studiert, aber die Zeit, die ich damals mit meinem Sohn hatte, würde ich gegen nichts auf der Welt eintauschen.“ Er habe dann bei seiner Tochter sehen müssen, wie schnell die Jahre vergangen sind und wie rasch das Mädchen groß wurde.

Am Montag hat Woltmann seinen 50. Geburtstag gefeiert. Ungefähr 70 Leute kamen zusammen. „Allein wenn sich nur meine Familie trifft, sind wir um die 30“, sagt Woltmann. Er ist ein richtiger Familienmensch. Wenn er sich eine Stunde Zeit nehme, könne er gemütlich jeden seiner vier Geschwister besuchen – zu Fuß. Darum habe sich für ihn auch nie die Frage gestellt, aus Alvesrode wegzuziehen. „Wenn man in der Land- und Forstwirtschaft aufgewachsen ist, bindet das sehr.“

Mit zwölf Jahren fährt er mit dem Trecker durch die Felder, noch morgens vor der Schule. Kurzzeitig spielt er mit dem Gedanken, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. „Die Überlegung damals war, Land dazuzupachten. Das hat aber nicht geklappt und für zwei war unser Betrieb einfach zu klein“, erklärt Woltmann.

So wird sein Bruder Hanke Landwirt. Friedrich studiert stattdessen nach zwei Jahren bei der Bundeswehr Wirtschaftswissenschaften – auch das eher zufällig. Doch schon immer hat er eine Affinität zu Zahlen. Als Junge züchtet und verkauft er mit einem seiner Brüder und einem Freund Schweine. Frido ist natürlich für die Abrechnungen zuständig. Sogar das Finanzamt interessiert sich damals für das „Geschäft“ und ein Betriebsprüfer sieht sich die Rechnungen an.

Auch die Abrechnungen seines Vaters, die großen Journalbücher in DIN A3 haben ihn immer fasziniert. Seine Frau, damals noch Freundin, selbst Finanzbeamtin, bringt ihn auf sein Studienfach. 1990 hat er seinen Abschluss als Diplom-Ökonom in der Tasche. Seine erste Bewerbung – bei einem Wirtschaftsberater in Hannover – bleibt auch die Einzige. Vier Jahre später absolviert Woltmann sein Steuerberaterexamen. Ein hartes Jahr für ihn und seine Familie, die hohe Belastung kostet viel Zeit.

Seine Arbeit führt ihn quer durch Niedersachsen, er berät Kommunen in Fachfragen – was letztlich auch der Grund ist, als Bürgermeister zu kandidieren. Woltmann arbeitet seit über 20 Jahren in seinem Beruf. Nun möchte er die Verwaltung von der anderen Seite kennenlernen.

Frido ist mit de Politik aufgewachsen, weil seine Familie immer in der Kommunalpolitik tätig war. Während er und die anderen Kinder beim Opa spielten, liefen im Fernsehen Bundestagsdebatten. „Da stritten sich dann Strauß und Wehner – das war normal. Politik war immer ein Thema, gehörte dazu“, sagt Woltmann. Seine Großväter waren Landrat des ehemaligen Kreises Springes beziehungsweise langjähriger Ortsbürgermeister von Alferde – allerdings für die SPD. Sein Vater war viele Jahre CDU-Ortsbürgermeister von Alvesrode und Stadtbürgermeister von Springe. Auch, wenn beide denselben Vornamen haben: Eine Kopie seines Vaters möchte er nicht sein.

Beitrag zur CDU als logischer Schritt

Fridos Engagement in der Kommunalpolitik begann vor sechs Jahren – damals noch parteilos – als Ratsmitglied in Springe. Vor vier Jahren trat Friedrich Woltmann der CDU bei. „Wenn man da mitarbeitet und die Strukturen nutzt, ist das nur ein logischer Schritt.“ Heute ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Durch seinen Vater wisse er, wie zeitintensiv das Amt des Bürgermeisters ist, auch wenn der es nur ehrenamtlich ausführte. Deswegen habe er die Bürgermeisterfrage auch sechs Wochen mit seiner Familie diskutiert. Ohne deren Unterstützung gehe so etwas nämlich nicht: „Wenn es klappt, weiß ich, dass die gesamte Familie dahintersteht“, sagt der 50-Jährige.

Die wichtigsten Baustellen, die er sich als Bürgermeister vornehmen würde, sind das Finanzwesen – seine Stärke – aber auch die Entwicklung im Bereich der Kinderbetreuung sei verbesserungswürdig.

Sollte es mit der neuen Stelle nicht klappen, findet Woltmann vielleicht endlich die Zeit, das Klavierspielen zu erlernen. Er ist einer von zweien in der Familie, der kein Instrument beherrscht. Dafür ist er vielseitig musikalisch interessiert: Gelegentlich besucht er die Oper, dann wieder rockt er mit seiner 16-jährigen Tochter auf Konzerten der amerikanischen Band Linkin Park.

Frido, der Mann mit dem hintergründigen Humor und der Leidenschaft für Zahlen, hat eben auch ganz andere Seiten.



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