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Dreiste Diebesbande am Springer Amtsgericht verurteilt

SPRINGE. Der eine steht draußen Schmiere, einer bricht in die Apotheke ein, während noch ein anderer im Fluchtauto wartet, ausgestattet mit Sturmhauben und Handschuhen. Was nach einem guten Krimi klingt, ist tatsächlich in Springe so passiert.

Dreiste Einbrecher mussten sich am Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Jugendschöffengericht am Springer Amtsgericht verantworten.

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Die dreisten Einbrecher mussten sich am Donnerstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor dem Jugendschöffengericht am Springer Amtsgericht verantworten.

Angeklagt waren unter anderem ein 19-jähriger Springer, ein gleichaltriger Völksener und ein 18-Jähriger aus Barsinghausen. Nach und nach räumten die Angeklagten die Taten während der fast siebenstündigen Verhandlung ein.

Im Mai vergangenen Jahres hatten sich die Männer am Springer Bahnhof getroffen. Sie hatten sich bereits in einer Chat-Gruppe verabredet, um bei „Apotheken Maß zu nehmen“ – also dort einzubrechen. In der Nacht zum 19. Mai probierten sie mehrfach vergeblich, die Scheibe der Niedertor-Apotheke mit einem Gully-Deckel zu zerbrechen. „Die wollten alle Geld machen, da ist mir nur der Kiosk am Ebersberg eingefallen“, berichtete der Springer.

Der Einbrecher klaut Getränke und die Kasse

Dort scheiterte zwar ebenfalls der erste Versuch, die Front-Scheibe mit einem Gully-Deckel zum Bersten zu bringen. Dann kam aber das abgerissene Rohr eines Fahrradständers zum Einsatz – und die Scheibe zerbrach. Der Mann sei in den Kiosk gegangen und habe eine leere Kasse und Alkohol herausgeholt. Der Völksener stand währenddessen draußen Schmiere, ebenso wie der Barsinghäuser. Ein vierter Beteiligter, ein 19-jähriger Springer, wartete zudem in einem Auto. Das hätte die Gruppe notfalls für eine Flucht genutzt. Vor der Aktion trafen sich die Männer, um sich mit Sturmhauben und Handschuhen auszustatten und sich für den Einbruch zu vermummen.

Auch wenn der finanzielle Schaden für den Kioskbesitzer überschaubar war, so sind die Folgen für den Inhaber gravierend. In seiner Zeugenaussage berichtete er, dass durch das zersplitterte Glas sämtliche Süßigkeiten und Blumen unbrauchbar geworden waren. Und schlimmer noch: Eigentlich wollte er den Kiosk in andere Hände geben. Doch wegen inzwischen mehrerer Einbrüche, sei das unmöglich geworden. Sogar die Versicherung hätte ihm gekündigt.

Veruteilung zu Arbeitsstunden und Geldauflagen

Der Springer und der Völksener erklärten, sich bald nach dem Einbruch bei dem Mann entschuldigt zu haben. Für den Völksener war der Einbruch aber nicht der einzige Tatvorwurf. Um an Geld zu kommen, klaute er insgesamt drei Fahrräder in Springe, Pattensen und Hannover. Die Räder im Wert zwischen 400 und 600 Euro wollte er verkaufen. Räumte der Völksener diese Taten ein, so gab er nicht zu, im Januar in das Otto-Hahn-Gymnasium eingebrochen zu sein. Auch diese Tat war ihm zur Last gelegt worden. Das Gericht war allerdings überzeugt, dass er gemeinsam mit einem der beiden 19-jährigen Springer, auch diesen Einbruch begangen haben soll. Bilder von einem Laptop und einem Beamer, die aus einem Kunstraum gestohlen worden waren, fand die Polizei später auf seinem Smartphone.

Alle Angeklagten sind einschlägig vorbestraft und müssen derzeit noch Arbeitstunden und Geldauflagen abstottern. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verurteilte das Jugendschöffengericht die vier zu unterschiedlichen sozialen Trainingseinheiten und -Kursen. Der Völksener muss zudem 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

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