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Weil er kein Marihuana erhält, zückt ein 15-Jähriger das Messer / Gericht lädt elf Zeugen

Drei Jugendliche bedrohen ihre Dealer

Springe (mari). Ein Erwachsener hätte sich bei diesen Anklagepunkten auf mindestens fünf Jahre Gefängnis einstellen müssen. Drei Jugendliche aus Springe, die gestern vorm Jugendschöffengericht standen, kamen dennoch mit milden Strafen davon. Zu verdanken haben sie das ihrem Alter und den Erinnerungslücken der Hauptbelastungszeugen.

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März 2011: Auf dem Bahnhof in Weetzen treffen drei Springer und zwei Gehrdener aufeinander. Bei den Springern handelt es sich um einen 18-jährigen Bennigser sowie einen 15-jährigen und einen 16-jährigen Schüler aus der Kernstadt. Vermutlich hatten sie von den beiden Gehrdenern (beide 17 Jahre alt) Marihuana gekauft, aber nur ein knappes Drittel der Lieferung erhalten. Daraufhin kam es zum Streit. Laut Anklage schubsten die Springer ihre „Dealer“ in den Fahrstuhl, der 15-Jährige hielt einem Opfer erst ein Messer an den Hals und schlug ihm später mit der Faust ins Gesicht.

„Ich war so eingeschüchtert, dass ich mich nicht getraut habe, zur Polizei zu gehen“, sagt einer der Gehrdener. Auch der andere spricht von Angst. Sie hätten ihre Verfolger nur abschütteln können, indem sie ihnen ein Handy gaben und in einen Bus flüchteten. Bitter: „Zwischendurch kam eine S-Bahn an. Ich habe mehreren Leuten erzählt, dass mein Kumpel bedroht wird und Hilfe braucht. Aber keiner hatte Zeit“, berichtet der Verletzte.

Der 15-jährige Springer und der 18-jährige Bennigser werden als Strippenzieher beschrieben, der 16-Jährige als Mitläufer. Die ganze Geschichte blieb zuerst geheim, kam erst infolge einer Auseinandersetzung ein paar Wochen später ans Licht. Fraglich ist heute vor allem, ob es das Messer tatsächlich gegeben hat.

Verhandelt wurde gestern vorm Jugendschöffengericht noch ein dritter Fall. Bei einer Geburtstagsfeier im Juni 2011 auf dem Handwerkerplatz in Bennigsen soll der 15-jährige Springer dem Gastgeber (17) so heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass dieser zwei Tage im Krankenhaus lag. Das Augenlid war gerissen, die Netzhaut beschädigt. „Ich konnte auf einem Auge mehrere Tage nichts sehen“, erinnert sich der Verletzte.

Gestern vor Gericht standen der 15-jährige und der 16-jährige Springer sowie der 18-jährige Bennigser. Jeder von ihnen hatte wegen der Schwere der Vorwürfe einen Pflichtverteidiger an seiner Seite. Verantworten musste sich außerdem ein 18-jähriger Eldagsener, der an der Geburtstagsschlägerei beteiligt gewesen sein soll. Er wurde freigesprochen. Weil sich die Angeklagten nach dreistündiger Verhandlung zu Teilgeständnissen durchringen konnten, verzichtete das Schöffengericht auf einen Teil der elf geladenen Zeugen. Dennoch zog sich der Prozess über sieben Stunden hin.

Der 18-jährige Bennigser muss jetzt einen einwöchigen Jugendarrest verbüßen, fünf Stunden zur Drogenberatung und sechs Monate zum Anti-Aggressionstraining gehen. Außerdem wartet ein Hilfsdienst auf ihn. Der 15-Jährige erhält eine Jugendstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Dem 16-Jährigen wird ein 60-stündiger Hilfsdienst auferlegt.

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