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Diskussion um Waffenrecht: Jäger sehen sich im Abseits

SPRINGE. Das Jagdwesen gehört zu Springe wie das Jagdschloss: Rund um den Deister pflegen rund 300 in der Jägerschaft organisierte Waidmänner das traditionelle Handwerk. Jetzt treibt ihnen ein Gesetzesvorschlag die Zornesröte ins Gesicht. Es geht um eine Verschärfung des Waffengesetzes.

Auch ein Zwölfender ist dabei: Mitglieder der Springer Jägerschaft schauen sich die Trophäen des Jahres 2015 an. Foto: Archiv
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Die Bedingungen sind in den Augen der hiesigen Jäger ohnehin längst nicht mehr optimal: Seit der Schließung des Jagdparcours an der Holzmühle seien die vorgeschriebenen Übungsmöglichkeiten für jagdliches Schießen nicht mehr vorhanden. Volker Gniesmer, Vorsitzender der Jägerschaft Springe: „Seitdem müssen wir entweder nach Hildesheim oder an den Oberg.“ Wer dorthin fährt, müsse aber mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden rechnen, bis er üben darf. Das Üben wiederum sei aber Voraussetzung dafür, dass man den Nachweis bekommt, der nötig dafür sei, dass man im Wald schießen dürfe.

Und jetzt das: Der Landesvorstand der Grünen schlägt eine Verschärfung des Waffengesetzes vor. Unter anderem soll es verboten sein, dass Schusswaffen in Privathäusern gelagert werden dürfen. Gniesmer hält davon überhaupt nichts: „Das geht gar nicht, der Vorschlag ist blanker Populismus.“ Immerhin müssten Jäger jederzeit schnell eingreifen, wenn etwa ein Reh in ihrem Revier angefahren werde – mit Waffe. Und wenn die erst irgendwo abgeholt werden müsse, sei das Tier möglicherweise schon unter Qualen verendet.

Er fragt sich angesichts immer neuer Einschränkungen, ob man die Jagd künftig überhaupt noch ausführen kann – nicht nur mit Blick auf den Grünen-Vorschlag. „Die Hürden sind einerseits bereits jetzt sehr hoch – andererseits haben wir ja einen gesetzlichen Auftrag und müssen unseren Abschussplan erfüllen.“ Gelänge das nicht, gebe es Ärger mit der Jagdbehörde.

Gniesmer schließt sich der Ansicht des Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke an. Der hält illegale Waffen für ein viel höheres Risiko als legale Waffen in den Händen von Jägern und Sportschützen.

Udo Helms von der Springer Waffenbehörde sagt, dass es mit den Waffen der Jäger keine Probleme gebe. Er weist darauf hin, dass bereits jetzt strenge Sicherheitskontrollen zur Waffenlagerung eingehalten werden müssen. „Wir prüfen, ob die Jagdscheininhaber geeignet sind, eine Waffe zu führen und zu besitzen.“ Auch eine Aufbewahrungskontrolle sei vorgeschrieben. Erst nachdem Jäger den Kaufbeleg der Waffe und ein Foto vom Waffenschrank vorgelegt haben und nachdem dieser überprüft wurde, werde eine Waffenbesitzkarte ausgestellt.

„Ich glaube, bei dem Vorschlag wurde am Ziel vorbeigeschossen“, sagt Helms. Denn praktisch sei es schwer umsetzbar, alle Waffen zentral an einem Ort zu lagern. „Da bräuchten sie jemanden, der sich hauptamtlich rund um die Uhr um die Waffenausgabe – und Annahme kümmert.“ Nur so könne verhindert werden, dass am Ende Waffen fehlen oder abhanden kommen.

Zudem geht Helms davon aus, dass ein ausgebildeter Wachdienst den Aufbewahrungsort der Waffen sichern müsse. „Wenn da so viele an einem Ort versammelt sind, ist das nötig“, glaubt er, „da liegt dann eine Menge Geld, das lockt Diebe an“.

Generell hält Helms die Waffengesetze für ausreichend. Allerdings fehle bereits jetzt das Personal, um konsequentere Kontrollen, auch unangekündigt, durchzuführen. Durch eine zentrale Lagerung steige der Personalbedarf ebenso wie die Kosten weiter an.

Information

Der Vorstoß zur Verschärfung des Waffengesetzes steht bei den Grünen vor der Entscheidung. Auf einer Landesdelegiertenkonferenz Anfang Dezember wird darüber abgestimmt. Hintergrund sind tödliche Schüsse eines „Reichsbürgers“ auf einen Polizisten.

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