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Offenbar nur noch ein Verdachtsfall in der Region / Heimische Landwirte bauen Tiernahrung selbst an

Dioxin-Futter: Betriebe in Springe nicht betroffen

Springe (mf). Der Dioxin-Skandal in der Landwirtschaft – bislang ist Springe davon verschont geblieben. Von den rund tausend in Niedersachsen stillgelegten Betrieben befinden sich nur drei in der Region Hannover und davon wiederum keiner am Deister, wie Regionssprecher Klaus Abelmann gestern auf Anfrage deutlich machte.


Betroffen waren seinen Angaben zufolge zwei Höfe in der Wedemark und einer in Neustadt. Doch auch hier konnte am Abend zumindest Teilentwarnung gegeben werden. In einem Fall sei das verseuchte Futter zwar beim Hersteller geordert worden, aber nie angekommen. Ein anderer Betrieb habe die Tiernahrung zwar verfüttert, doch seien die Schweine längst geschlachtet worden. „Unterm Strich bleibt so nur noch ein Verdachtsfall in der Region übrig“, so Abelmann. Hinweise darauf, dass auch Landwirte aus Springe mit dem belasteten Futtermix beliefert wurden, gebe es nicht.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein Unternehmen in Schleswig-Holstein dioxinhaltige Fettsäuren an Futtermittel-Hersteller geliefert hat. Das belastete Futter wurde im November und Dezember an Landwirte in ganz Deutschland verkauft. Niedersachsen sperrte daraufhin rund 1 000 von 55 000 Bauernhöfen.

Betroffen sind Puten-, Schweinemast und Legehennenbetriebe, von denen es am Deister ohnehin nur sehr wenige gibt. Den mit 2000 Tieren größten Bestand an Hühnern hat der Springer Friedrich Bartels, der sich allerdings komplett der Bioproduktion verschrieben hat. „Das meiste Futter bauen wir selbst an, und das Wenige, was wir zukaufen, stammt ebenfalls aus ökologischem Landbau“, sagt Bartels. Damit sind wir ziemlich auf der sicheren Seite.“

Das Problem sei, dass bei konventionellen Legebatterien der Preisdruck immens sei. „Weil deshalb das Futter ziemlich billig sein muss, verarbeiten die Hersteller oft Abfälle“, weiß Bartels.

Bezirkslandwirt Wilhelm Niedermeier aus Eldagsen stimmt seinem Kollegen zu. Betriebe, die ihr Futter selbst herstellten und weitgehend auf Fertigmischungen verzichteten, hätten eine bessere Kontrolle. Nachdem er sich vor etwa fünf Jahren von seinen letzten Schweinen getrennt habe, halte er auf seinem Hof noch knapp hundert Legehennen für eine Eier-Direktvermarktung, erzählt Niedermeier. Auch er stelle das Futter für seine Tiere weitgehend selbst her. „Denn ehrlicherweise hatte ich schon immer ein relativ geringes Vertrauen in Fertigfutter“, sagt der Eldagsener.

Für die betroffenen Kollegen, die gutgläubig Futter aus Schleswig-Holstein bezogen hätten, sei die zwangsweise Hofschließung nun „eine richtig bittere Sache“, meint der Bezirkslandwirt. „Sie können nichts verkaufen, müssen ihre Tiere aber trotzdem weiter versorgen.“ Die wirtschaftlichen Schäden sind laut Niedermeier kaum absehbar, gleichzeitig stünden für die Kollegen die Chancen auf einen finanziellen Ausgleich vermutlich nicht gut.

Auch der Landwirtschaftsexperte der hannoverschen Landeskirche, Karl-Heinz Friebe, sorgt sich um die Existenz der Landwirte. „Auch jene, die sauberes Futter verwendet haben, werden ihre Produkte zurzeit nicht los.“ Die fleischproduzierenden Bauern stünden ohnehin schon unter Druck, so Friebe. In den vergangenen Wochen sei etwa der Preis für Schweinefleisch auf einen historischen Tiefstand gesunken. „Der erneute Image-Schaden ist gewaltig und er trifft die Falschen.“ Alle Landwirte litten unter dem Skandal.

Friebe und Niedermeier fordern neben einer Klärung der Haftungsfrage und entsprechenden Entschädigungen für die Landwirte verstärkte und engmaschigere Kontrollen durch die Behörden. Die Landwirte müssten darauf vertrauen können, dass sie sauberes Futter bekommen.



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