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Diese Regeln gelten für Reiter und Kutschfahrer

ALVESRODE/ELDAGSEN. Gleich zwei Turniere mit Pferden locken am Wochenende im Stadtgebiet Besucher an: In Springe wird gesprungen, in Alvesrode lädt die Reit- und Fahrgemeinschaft ein, die mit ihren Kutschen immer wieder auch auf öffentlichen Straßen unterwegs ist.

Ernst-August Solle mit seiner Kutsche in Eldagsen: Er ist am Wochenende in Alvesrode beim Fahrturnier dabei. FOTO: HERRMANN

Autor

Bernhard Herrmann Reporter

Doch welche Regeln gelten eigentlich für Pferd und Reiter, damit es im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern friedlich zugeht?

Rechtlich greife auch hier unter anderem die Straßenverkehrs-Ordnung, sagt Klaus Abelmann, Sprecher der Region Hannover: Reiter seien bei Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr anderen Fahrzeugen gleichgestellt – so sind Fuß- und Radwege tabu. Neben ausreichender Kontrolle und Ausrüstung gelten auch andere Regeln: Für Kutschfahrer ist die Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit 1,1 Promille. Wer im Auto sitzt und einem Pferd begegnet, dem rät Lutz Fricke, Einsatzdienstchef der Springer Polizei, Abstand von Pferden zu halten und keinen unnötigen Lärm wie Hupen zu verursachen: Pferde sind Fluchttiere.“

Wer als Fahrer mit einer Kutsche eine Ausfahrt plant, muss zuvor einen ganzen Katalog von Aufgaben abarbeiten. „Jeder Kutschenbetreiber ist selbst für die Sicherheit zuständig“, sagt Ernst-August Solle, Vorsitzender der Reit- und Fahrgemeinschaft Alvesrode. Zuerst sei eine etwa zwölfwöchige theoretische und praktische Ausbildung zu absolvieren, erläutert Solle. Seit dem 1. Juni 2017 gibt es außerdem einen „Kutschenführerschein“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, dem Dachverband aller Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer in Deutschland. Die Ausbildung obliegt aber den Reit- und Fahrvereinen, sagt Solle. Die nächsten Lehrgänge in Alvesrode finden im Jahr 2018 statt. Auch die Tiere selbst müssen trainieren: Sechs Monate lang geht es etwa um die Gewöhnung an das Geschirr, das zum Ziehen einer Kutsche notwendig ist.

Der Eldagser Kutschenbesitzer hat selbst zwei Pferde. „Westa“ ist die 13 Jahre alte Mutter der neunjährigen Tochter „Werwa“, sagt Solle. Beide sind Wielkopolski-Pferde, ein polnisches Warmblut.

Wenn Solle den Pferden das Geschirr angelegt hat, prüft er vor der Ausfahrt die vier Scheibenbremsen am vierrädrigen Trainingswagen und setzt sich auf den Kutschbock. Mit einem Ruck traben die beiden Pferde die Auffahrt zur Langen Straße hinauf, wo rechtsseitig ein Schild „Vorfahrt gewähren“ steht. Solle bremst den Wagen ab – und brav stoppen die Pferde an der Sichtlinie. Dann beginnt die Fahrt auf der Langen Straße. Beide Warmblüter traben im Gleichklang der acht Hufe auf dem Asphalt etwas bergab an der Gestorfer Straße vorbei in Richtung Am Pfingstanger.

Obwohl die beiden etwa je 500 Kilogramm schweren Pferde flott mit dem etwa 500 Kilogramm schweren Wagen plus Kutscher unterwegs sind, stauen sich bereits mehrere Hunderte PS in den Motoren von etwa einem Dutzend Autos, die das Zwei-PS-Gespann wegen des Gegenverkehrs nicht überholen können. Die Ausfahrt geht an der östlichen und nördlichen Feldmark von Eldagsen vorbei zurück über die Triftstraße.

An der Einmündung zur Langen Straße kommt von hinten direkt bis an das Gespann ein Transporter eines Paketdienstes herangefahren. Das Geräusch des lauten Dieselmotors ist beiden Pferden offensichtlich nicht geheuer – und Solle hat Mühe, beide Tiere ruhig zu halten, weil in beiden Richtungen fahrende Autos die Überquerung der Langen Straße noch verhindern. Nachdem diese Hürde genommen ist, traben „Westa“ und „Werwa“ die Abfahrt zum Hof hinunter.

Die beiden Pferde und ihre Artgenossen, die an diesem Wochenende im Stadtgebiet im Einsatz sind, bekommen nicht nur ein spezielles Training – sondern auch eine spezielle Diät, weiß Tierärztin Dr. Constanze Sachse aus Springe: Die Nahrung soll laut der Veterinärin aus Kraftfutter wie Hafer und Müsli sowie Raufutter wie Heu oder Weidegras bestehen.

Information

Wie viele Pferde es im Stadtgebiet gibt, ist nicht offiziell verzeichnet: Weil die Stadt im Gegensatz zum Hund für Pferde keine Steuer erhebt, zählt sie die Tiere auch nicht.

Laut „Deutscher Reiterlicher Vereinigung“ betreiben deutschlandweit etwa 1,25 Millionen Menschen intensiv Pferdesport. Der Frauenanteil betrage 78 Prozent.

Die Vereinigung selbst hat nur in der Region Hannover 82 702 Mitglieder.

In ganz Deutschland zählen die Experten 7569 Reit- und Fahrvereine sowie 3539 Turnierveranstaltungen.



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