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Vater und Sohn unterrichteten Generationen von Kindern aus Boitzum / Großes Familientreffen

Die Wickbolds – Lehrer aus Leidenschaft

Boitzum (si). Sie haben Generationen von Kindern das kleine Einmaleins beigebracht, haben mit ihnen das ABC und die Schönschrift, aber auch fürs Leben gelernt: Über 85 Jahre stellten zwei Mitglieder der Familie Wickbold den Boitzumer Schulmeister. 47 Nachfahren kamen am Wochenende im ehemaligen Schulhaus unterhalb der Finie zu einem Familientreffen zusammen.

Wiedersehen am Thie: 47 Nachfahren von Dorflehrer Friedrich Wickbold haben sich vor der ehemalige Boitzumer Schule zum Gruppenfo

Die Wickbolds waren aus allen Teilen Deutschlands angereist. Die weiteste Fahrt hatten die Familienmitglieder aus Holzkirchen bei München und aus Schleswig-Holstein. Organisiert hat die Zusammenkunft Peter Wickbold aus Eberholzen. Seine Mutter hatte ihn wiederholt dazu gedrängt, doch einmal die Wirkungsstätte seines Urgroßvaters zu besuchen. Nach intensiver Suche konnte der Angestellte der Stadtverwaltung Hildesheim fast 80 Wickbolder ausfindig machen – und lud sie zum großen Familientreffen ein.

Das Echo war erfreulich. Der Clan übernachtete im Lutherheim Springe und steuerte von dort aus die Wirkungsstätte der Altvoderen an. Die Schule wurde 1878 errichtet und ist heute im Besitz der Familie Kröpke. An dem hübsch sanierten Gebäude hat sich bis aufs Erdgeschoss kaum was verändert. Noch immer erinnert über der Haustür das biblische „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ daran, das tagtäglich mehr als zwei Dutzend Jungen und Mädchen die kleine Treppe hochstampften und zum Unterricht gingen.

In dem großen Raum wurden zeitgleich sechs Klassen unterrichtet. Er ist zwar ebenso wenig wie der frühere Kuhstall und die Scheune der damaligen Lehrer erhalten, aber Thorsten Kröpke kann die Grundrisse beim Erzählen wieder herstellen. Dazu hat er die Chronik studiert, die Friedrich Wickbold gewissenhaft führte und die sein Sohn Otto später ergänzte.

Als Senior Friedrich Wickbold 1863 in Boitzum den Schuldienst antrat, betrug sein festes Gehalt 681,08 Mark – im Jahr. Um die Jahrhundertwende erhöhte es sich auf 1000 Mark. Außerdem bekam er 120 Mark Alterszulage und als persönliche Zuwendung von der Gemeinde Boitzum zwölf Mark. Da er gleichzeitig in der kleinen Fachwerkkirche predigte und die Orgel spielte, sowie den Küsterdienst mit Läuten und Uhrenstellen versah, vergütete ihm das Kirchenamt ebenfalls 120 Mark.

Damit er und seine Familie das Jahr über einigermaßen über die Runden kommen konnten, bewirtschaftete er nebenbei auch die Äcker und Wiesen des Schulverbandes, dazu gehörten auch die Gärten beim Haus und im Osterfelde.

In der Schulchronik hat Friedrich Wickbold vermerkt, dass er sich von Weihnachten bis Silvester um das Aufstellen und Anzünden der Kerzen in der Kirche kümmern musste. Dafür durfte er die Überbleibsel der Stearinlichter zur Eigenverwendung mit nach Hause nehmen.

1910 trat Friedrich Wickbold nach 47 Jahren in den Ruhestand und übergab seinem Sohn Otto als Nachfolger die Schlüsselgewalt über die kleine Dorfschule am Thie. Dazu gehörten auch die Wohnung, der Stall und die Wirtschaftsräume.

Ab 1797 gab es bereits ein Schulhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche. Erstaunlich ist außerdem, dass alle fünf Söhne, die Friedrich Wickbold und seine Frau hatten, in die Fußstapfen des Vaters traten: Sie wurden Lehrer an unterschiedlichen Volksschulen.



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