weather-image
14°

Die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung vor 100 Jahren

SPRINGE. Die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung heute vor 100 Jahren war so etwas wie die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland. Die Wahl hatte nicht nur eine neue Regierung, sondern auch eine neue Verfassung zur Folge.

Auch die Frauen und Männer mit Namen Peters, aus der Burgstraße und Langen Straße, beteiligen sich 1919 an der ersten deutschen Parlamentswahl, wie aus einer Wählerliste des Springer Stadtarchivs hervorgeht. Foto Ackermann
juliett

Autor

Juliet Ackermann Volontärin zur Autorenseite

Ebenfalls neu: „Erstmals durften jetzt auch die Frauen wählen“, schreibt Stadtarchivar Andreas Lilge in seiner Springer Stadtchronik. Alle Einwohner wurden auf der Ebene der Stadtgemeinde 1919 fortan als Bürger anerkannt und besaßen unabhängig von ihrem finanziellen Status und Geschlecht ab dem 20. Lebensjahr das Recht zu wählen. Im Springer Stadtarchiv sind historische Unterlagen von der Wahl am 19. Januar 1919 erhalten, darunter auch Wählerlisten. Darin sind Zuname, Vorname, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort der einzelnen Wähler tabellarisch festgehalten. Unter den Namen findet sich etwa das Ehepaar Peters, das in der Burgstraße wohnte. Während der Mann, August Peters, in der Funktion eines Arbeiters aufgeführt ist, wird für seine Ehefrau Anna der Status „Frau“ vermerkt.

Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts wurde die gesellschaftliche Gleichberechtigung vorangetrieben. Auch Frauen begannen in der Politik Fuß zu fassen. Während auf Reichsebene 36 der insgesamt 423 gewählten Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung weiblich waren, trat Springes Stadtrat erst nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Frau bei.

Anders als in einem NDZ-Bericht vom 11. Dezember dargestellt, war Lilge zufolge in Springe nicht Martha Prenzlow ab 1953 die erste Frau im Rat: „Im ersten, noch von der Militärregierung Ende 1945 eingesetzten provisorischen Rat saßen drei Frauen: Hilde Riese (SPD), Elisabeth Rokahr (parteilos) und Marie Hüper (parteilos).“ Hilde Riese sei es 1946 gelungen als einzige Frau Mitglied im ersten demokratisch gewählten Rat zu werden. Die Sozialdemokratin sei 1947 ausgeschieden und von 1964 bis 1974 erneut im Rat tätig gewesen. Die Christdemokratin Änne Czogalla habe sich von 1948 bis 1951 im Rat engagiert, Martha Prenzlow, vom Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, von 1953 bis 1956.

Das ausgeweitete Wahlrecht war 1919 nicht alles, was sich in Springe änderte: Im selben Jahr wurde eine Wohnungskommission gebildet, die feststellen sollte, wie viele Wohnräume es gab. Außerdem wurde der Armenbeitrag abgeschafft: „Fürsorgeleistungen konnten nicht länger eine gnädige Almosengewährung sein, sondern wurden von der ärmeren Bevölkerung zunehmend als Rechtsanspruch aufgefasst“, so Lilge. Am 30. Januar setzte die Stadt eine Erwerbslosenfürsorge fest, nach der pro Tag drei Mark für männliche, 2,25 Mark für weibliche Personen unter 21 Jahren ausgezahlt wurden. Im Gegenzug mussten Berechtigte Notstandsarbeit übernehmen – etwa Arbeiten im Stadtforst. Bürgermeister in jener Zeit war seit Oktober 1918 Fritz Jürges, der „über alle Stürme der Zeit hinweg bis 1946 amtierte“.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt