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Eine Reise durch die Stadt, die sich langsam aber sich auf die Kommunalwahl einstimmt

Die Temperatur steigt – noch 37 Tage

Springe. Bei Karsten Kohlmeyer im Rathaus stapeln sich die Unterlagen. Er kommt zu nichts mehr – außer dazu, die Wahl vorzubereiten. „Das macht im Moment 98 Prozent meiner Arbeit aus“, sagt der städtische Wahlbeauftragte. Überall in Springe laufen sich die Menschen heiß für den 11. September: Politiker. Helfer. Verwaltungsmitarbeiter. Wähler. Die NDZ hat sich umgesehen in einer Stadt, die noch nicht ganz im Wahlfieber ist. Aber die Temperatur steigt täglich.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Auf den Straßen kann man ihnen kaum noch aus dem Weg gehen, selbst, wenn man sich nicht für Politik interessiert. Die Gesichter blicken herab von Laternenmasten, von Plakatwänden. Sie empfangen einen, wenn man in die Innenstadt kommt.

Einer, der bei der Wahlplakat-Parade lange fehlte, war Bürgermeisterkandidat Friedrich Woltmann. Er – und seine Mitstreiter von der CDU. Die Plakate habe man gemeinsam mit denen der Regions-CDU drucken lassen, sagt die Parteivorsitzende Anette Henkels. Und dabei seien Verzögerungen aufgetreten.

Henkels gehört zu denjenigen Politikern, die aus der schlechten Nachricht schnell eine gute basteln können. Darum schiebt sie noch etwas hinterher: Mit der späteren Plakatierung könne man ja schließlich auch verhindern, dass sich Woltmanns Gesichtszüge in der Öffentlichkeit abnutzen, dass der Wähler seiner überdrüssig werden könnte, noch bevor er zur Urne schreitet. Dass Woltmann genau wie SPD-Kandidatin Silvia Jünke und Elke Thielmann-Dittert von den Grünen an stadtweiter Bekanntheit noch Einiges aufzuholen hat, das sagt Henkels nicht.

Die Wahl verfolgt einen aber nicht nur beim Stadtbummel. Sondern auch bei der Zeitungslektüre. Diese Woche veröffentlichte die Verwaltung die Bewerberlisten für Stadt- und Ortsrat, das Gesetz sieht diesen Schritt vor. Die Namen bedecken anderthalb Zeitungsseiten. Politikverdrossenheit? Auf den ersten Blick ein Fremdwort in Springe. 95 Bewerber aus sechs Parteien und Wählergemeinschaften buhlen um 36 Ratssitze, darunter 24 Frauen. In den zehn Ortsräten werden 84 Sitze zu vergeben – dafür sind 163 Bürger nominiert.

Der zweite Blick offenbart dann Probleme: Einige der Kandidaten treten für Orts- und Stadtrat an, damit sinkt die Gesamtzahl der Bewerber. Und in manchen kleineren Orten mussten sich die Parteien richtig strecken, um überhaupt Listen zustande zu bekommen. Beispiel Altenhagen I: Mit 1200 Einwohnern ist der Ort nicht unbedingt einer der kleinsten Stadtteile. Trotzdem gibt es hier nur noch eine gemeinsame Liste von SPD und CDU – wegen Kandidatenmangels. In Alferde (500 Einwohner) kandidieren gar nur fünf Bewerber für die sieben Sitze.

Und dann ist da noch Alvesrode. Ebenfalls 500 Einwohner – aber sage und schreibe 22 Kandidaten für sieben Ortsratsmandate. SPD, CDU, Grüne und Freie Wähler treten an. Was ist da los? Sind die Alvesröder so unzufrieden, dass sie jetzt alle ran wollen? Auf sich selbst und seine Arbeit will der scheidende Ortsbürgermeister Peter Stauß das Phänomen nicht bezogen wissen – „aber es gibt da einige Punkte, die die Leute berührt haben“, sagt er. Die gescheiterten Krippenpläne. Die gescheiterte Sanierung der Schmieder-Halle. Der genehmigte Großmastbetrieb im Ort. „So etwas kann der Ortsrat zwar nicht verhindern. Aber vielleicht sagen sich einige: Hier kann ich wenigstens noch etwas erreichen“, mutmaßt Stauß. Er mahnt auch: „Sich zu bewerben, ist eine Sache – hinterher da zu sein und etwas zu tun eine andere.“

Zurück im Rathaus, zurück bei Karsten Kohlmeyer. Er und seine bis zu neun Mitstreiter haben noch viel zu tun: Wählerverzeichnis, Briefwahl, Stimmzettel. Noch 37 Tage. Die Temperatur steigt.



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