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Warum ist es eigentlich so schwierig, das Hallenbad finanziell zu sanieren? Eine Spurensuche

Die Suche nach dem Rettungsring

Springe. Das Hallenbad, so viel steht inzwischen fest, wird trotz wiederholt auftauchender Schreckensszenarien erst mal nicht geschlossen. Damit sind aber auch die ursprünglich angepeilten hohen Einsparungen vom Tisch; die Stadt pumpt weiter mehrere hunderttausend Euro im Jahr ins Bad. Warum ist es für Stadt und Politik eigentlich so schwierig, bei diesem Thema voranzukommen? Eine Spurensuche.

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VON CHRISTIAN ZETT

Einig sind sie sich eigentlich fast alle: die Ratsherren, die Stadtmitarbeiter, die Ehrenamtlichen, die sich in unzähligen Arbeitsstunden Gedanken gemacht und Seiten gefüllt haben mit Ideen: Das Bad soll nicht nur attraktiver werden und mehr Besucher locken, es soll auch weniger kosten.

Und da fängt es schon an mit der Kuriosität: Denn auf den Eintrittspreis gerechnet legt die Stadt für jeden Badegast bis zu 13 Euro drauf. Im Technischen Ausschuss kam dieser vermeintliche Widerspruch erneut auf den Tisch: Jeder Besucher, um den man kämpfe, verursache Mehrkosten, hieß es dort.

Eine Rechnung, die der städtische Finanzchef Gerd-Dieter Walter so nicht stehen lassen will: „Wir haben recht wenig Kosten, die mit der einzelnen Person zu tun haben.“ Soll heißen: Wasser, Heizung, Reinigung – all das fällt in ungefähr der gleichen Größenordnung an, egal, wie viele Springer ihr Bad besuchen. Wer dann tatsächlich wie lange duscht, ist für die Bilanz nachrangig.

Ohnehin: Wie weit will man diesen Gedankengang verfolgen? Konsequenterweise dann ja bis zur Schließung, bei der die Gästezahl und damit die Zuzahlung auf null sinken würde. Doch auch dann steht das Gebäude noch. Und verursacht Kosten. Denn das ist die zweite Kuriosität, die jetzt auch einen zunächst vernünftig klingenden Sparvorschlag der Grünen gekippt hat: Das Bad, forderte die Fraktion, solle im Sommer ein paar Wochen schließen. Das spare Geld, weil dann trotz des schöneren Wetters viele Besucher kommen. Gleichzeitig könne man die Badewilligen stattdessen in die Freibäder lotsen, um dort die Besucherzahlen anzukurbeln. Und so wieder sparen: Denn auch die Freibäder werden Jahr für Jahr von der Stadt bezuschusst.

Die Verwaltung rechnete. Und winkte ab: Höchstens 5000 Euro könne man so sparen – davon abgesehen, dass alle Kernstadt-Kinder und Jugendlichen gestraft würden, die im Sommer nicht ohne Weiteres nach Eldagsen, Bennigsen oder Altenhagen I fahren können, um dort zu planschen.

Bleiben noch die Vorschläge der Arbeitskreise. Die kurzfristigste Einnahmequelle, die Erhöhung und Umgestaltung der Eintrittspreise, haben Rat und Verwaltung wie berichtet erst mal hinausgezögert: Frühestens im Sommer kann an dieser Schraube gedreht werden.

Alles andere bleibt unsicher: Wie hoch die erhofften Einsparungen durch die Umstellung der Technik am Ende ausfallen, ist offen. Auch die zweifellos wichtigen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung wie die Schnellschwimmbahnen lassen sich nicht automatisch in finanzielle Auswirkungen umrechnen. Dem Bad, das kritisierten auch die Arbeitskreise, fehlt ein Profil, ein Schwerpunkt, ein positives Image nach außen. Es gibt zwar ein engagiertes Team, aber zu wenige attraktive Angebote. Das Restaurant ist seit Monaten geschlossen. Vor einem ebenfalls vorgeschlagenen Stellenabbau schrecken die Beteiligten zurück.

Ohnehin: Selbst wenn alles klappt, bleibt die Nummer ein Zuschussgeschäft. Ein profitables kommunales Hallenbad, das müsse man in ganz Deutschland erst mal finden, heißt es immer wieder im Rathaus. Da mag manch einer sehnsüchtig ins nordrhein-westfälische Raesfeld schauen: Die Kleinstadt ist schuldenfrei – auch, weil sie statt auf ein eigenes Hallenbad auf einen kostenlosen Bus setzt, der die Bürger in die Nachbarstädte zum Schwimmen bringt.



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