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Die Shakespeare von Völksen: Premiere des großen Open-Air-Spektakels des Hermannshofs

Zur Generalprobe gab’s Kalte Ente und die Mahnung vom künstlerischen Leiter des Hermannshofes, Eckhart Liss: „Bitte keinen Applaus, denn das bringt Unglück.“ Und so rührte sich nach dem gut zweistündigen Open-Air-Spektakel an den zwei Spielorten trotz grandioser Leistungen der Schauspieltruppe keine Hand. Ganz im Gegensatz zur schon langen ausverkauften Premiere tags drauf.

Autor

Christoph Huppert Reporter
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Vor dem Teehaus und auf der Bühne auf der Wiese hinter dem Haupthaus des Hermannshofes entfaltete sich die erste der sieben geplanten Aufführungen in einer kongenialen Mischung aus shakespearesken Elementen und typischen Hermannshofer Akzenten, bei denen natürlich auch der alte grüne, vor sich hin tuckernde Trecker nicht fehlen durfte.

Wieso „die“ Shakespeare? Regisseur Serkan Salihoglu erklärt: „Es ist die Wiederentdeckung einer Zeitgenossin von Molière, Aphra Behn, einer Spionin des englischen Königshauses und die erste britische Schriftstellerin, die von ihrem Schreiben leben konnte.“ Virginia Woolf hatte sie später als „die jüngere Schwester Shakespeares“ bezeichnet.

„Ein Liebesabenteuer mit ungewissem Ausgang“

Nach dem Auftakt mit „Der Molière von Völksen“ im Jahr 2021 nun also „Die Shakespeare von Völksen“ in der, so Eckhart Liss, „erfrischend heutigen Übersetzung“ von Tobias Schwartz. „Das ist ein Liebesabenteuer mit ungewissem Ausgang“, so auch Salihoglu. Der 37-jährige Hamburger hat eine Truppe aus Schauspielerinnen und Schauspielern zusammengeführt, deren Spielfreude von der ersten Sekunde an auf das hochamüsierte Publikum überschwappte.

In den Kostümen von Linda Spörl und auf der Bühne von Ken Chinea entwickelte sich ein köstliches Spiel um die Erfüllung unterschiedlichster Liebesbedürfnisse, bei denen der ganze Park zur Spielfläche wurde und sich die ganze Bandbreite menschlicher und allzu menschlicher Emotionen entlud. Auf der Suche nach der Erfüllung der Liebesbedürfnisse gerät das Spiel dabei mitunter zu einem Fest derb organisierter Zügellosigkeit, begeistern alle Akteure durch unbändige Spielfreude, ausgesprochenen Facettenreichtum und tragikkomischen Witz – gleich ob die Edelprostituierte Angelica, die mit der Liebe nur geschäftlich verkehren will, die vorlaute Hellena, die sich mit einer Affäre vor dem Kloster retten will oder ihre ältere, heimlich verliebte Schwester Florinda.

„Wir haben den Text der Übersetzung von Tobias Schwartz unverändert beibehalten und nur durch die Musik aktuelle Akzente gesetzt“, erklärt Regisseur Salihoglu. Und eben diese musikalische Illustrierung gerät zum Volltreffer.

Sieben Aufführungen bis zum 6. August

Eingespielte Songs lassen das Stück ebenso zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden wie die Blechblasakzente des örtlichen Musikvereins unter der Leitung von Volker Lorenz. „Wir wollten zeigen, dass ,Die Shakespeare’ zu Unrecht 400 Jahre lang vergessen war“, so der Regisseur. 80 Jahre nach Shakespeare habe Aphra Behn mit ihrer Komödie „Der Freibeuter“ ein „Abenteuer einer zur Ausgelassenheit entschlossenen Gesellschaft“ verfasst.

Dass das nach dem letztjährigen „Molière“ zu einem weiteren großen Freilufttheater-Erfolg im Park des Hermannhofes wurde, ist nicht zuletzt der Förderung dieses Spielortes durch die Kulturregion Hannover und der Einstufung als „Freie Theaterspielstätte“ und einer weiteren Förderung durch den Bundesfachverband zu verdanken. Sieben Aufführungen dieses Spektakels mit Rollentausch und Blasmusik sind bis zum 6. August geplant.

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