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„Eine schöne Zeit“: Nach 50 Jahren treffen sich die ersten AEG-Azubis wieder

Die Pioniere

Springe. Ein unsicherer Blick, ein Händedruck. Dann: ein Lachen. Wenn man sich seit knapp 50 Jahren nicht gesehen hat, ist das manchmal so eine Sache mit dem Erkennen. Die elf Männer, die sich gestern Mittag vor den Werkstoren an der Rathenaustraße wiedertrafen, verbindet etwas Besonderes: Sie waren im Jahr 1963 die allerersten Auszubildenden im brandneuen Springer AEG-Werk.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Und jetzt? Erst mal gibt’s ein Gruppenbild, jeder soll später einen Abzug mit nach Hause bekommen. Eine Erinnerung an einen Nachmittag voller Erinnerungen, sozusagen. Daran, als es hier noch keine Stacheldrahtzäune gab – und die meisten der riesigen Werkshallen noch gar nicht standen.

Vier angehende Maschinenschlosser und 13 Werkzeugmeister waren es, die am 1. April 1963 ihre Ausbildung begannen. Nicht alle haben es heute geschafft, zum großen Wiedersehen. Manch einer ist gestorben, andere haben die Organisatoren nicht gefunden.

Hans-Joachim Stelter ist da. Der 64-Jährige ist inzwischen von Springe nach Sarstedt gezogen, besucht die Deisterstadt trotzdem noch regelmäßig. „Ich war damals mit 14 Jahren der Jüngste“, erinnert er sich. „Wir hatten eine schöne Zeit.“ Die aber auch nicht immer leicht war. Denn die 17 Azubis hatten als erste Generation keine Vorgänger, an denen sie sich orientieren konnten: „Wir haben uns viel erarbeitet“, erinnert sich Stelter.

Er war seit dem Ausbildungsende im September 1966 nicht mehr auf dem Betriebsgelände. „Hier hat sich viel verändert“, sagt er. Und schaut sich suchend auf einem kleinen Modell des Werks um: „Wo war denn früher die Lehrwerkstatt?“

Nebenan prallen gerade die Generationen aufeinander. Zwei Tische stehen dort – einer mit Werkzeug und Material von 1963, der andere mit aktuellen Varianten. Timo Lucasiewski steht hinter dem Schild „Ausbildung 2013“ und lächelt. Der 18-Jährige ist Azubi bei Nordeon, wie das Werk heute heißt. Noch so eine Veränderung. Nach AEG kam Philips – und dann der neue Betrieb, angeschoben wiederum aus den Niederlanden.

Lucasiewski kennt vieles davon nur aus Erzählungen. Er schaut rüber zum Tisch „Ausbildung 1963“ und sagt: „Da können wir auch heute was mit anfangen.“ Um ihn herum brechen die elf Männer auf zur Betriebsführung. Es geht durch Hallen, die es damals noch nicht gab. Als sie hier die Pioniere waren.



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