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Im Philips-Werk herrscht trotz der drohenden Schließung Aufbruchstimmung – ein Besuch

Die Optimisten von der Rathenaustraße

Springe. Wer Johannes Haskamp erlebt, der kann gar nicht glauben, dass man diesem Mann den Laden in ein paar Wochen einfach zumachen könnte. Der Produktmanager schwärmt von einer Supermarkt-Deckenlampe wie andere von einem wertvollen Goldschatz, preist minutenlang die Vorzüge einer Straßenlaterne an. Ausgerechnet das von der Schließung bedrohte Philips-Werk war am Dienstagabend Gastgeber des städtischen Unternehmerstammtisches. Und wer besonders aufmerksam war, der staunte nicht schlecht: Denn an ein baldiges Ende für den Standort scheint hier niemand zu glauben.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Bald ein Jahr ist es jetzt her, da verkündete der Philips-Konzern den zweiten Schock in kurzer Zeit: Nachdem man 2009 schon den Vertrieb nach Hamburg verlegt hatte, will sich das Unternehmen noch in diesem Jahr komplett von der Rathenaustraße zurückziehen. Findet sich kein Investor für das Werk, gehen am Deister eben die Lichter aus.

Und seitdem ist es recht still geworden. Aus der Deutschland-Zentrale in Hamburg heißt es in schöner Regelmäßigkeit, man führe Gespräche, man sei optimistisch. Aber einen Käufer gibt es offiziell noch nicht. In gut zwei Wochen läuft die selbst gesetzte Frist ab. Eine Anfrage der NDZ in Hamburg blieb gestern unbeantwortet.

Aber wie passt diese Unsicherheit zu dem, was die versammelte Springer Unternehmerschaft am Dienstagabend erlebte?

Da war Produktmanager Haskamp, der nicht nur das Erreichte anpries, sondern auch verkündete, man könne künftig – sprich: in der Zeit nach Philips – nicht alle Produkte selbst entwickeln und sei auf Partner angewiesen. Da war aber vor allem Betriebsleiter Michael Bartesch. Der sorgte erstmals für ein Raunen, als seine Präsentation über die Geschichte von Philips in Springe auch den Punkt „Ende 2012: Verkauf des Standorts“ umfasste.

Zunächst schien Bartesch so richtig auf Konzernlinie getrimmt, sprach von einem „laufenden Prozess“ und „potenziellen Investoren“. Doch schon im nächsten Moment wurde der Betriebsleiter konkreter, als es seine Zentrale je war: Es seien bereits Interessenten in Springe gewesen – „in den nächsten Monaten“ werde es „eine Entscheidung“ geben. Momentan stehe alles „unter der Ausrichtung, dass es hier weitergeht“.

Auf Nachfragen aus dem Publikum reagierte Bartesch erstaunlich offen: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen.“ Er spreche zwar als Betriebsleiter für Philips – „aber von einem Verkauf bin ich genau so betroffen wie alle anderen.“ Und: Er sei sich „sicher, dass es eine Zukunft ohne Philips gibt“. Über die er sich wiederum schon viele Gedanken gemacht hat: Denn Ziel sei es, in den ersten Jahren nach der Trennung zwar noch schwerpunktmäßig Ware an Philips zu verkaufen, sich langfristig aber vom alten Mutterkonzern zu lösen: „Sonst gäbe es ja keinen Grund, das Werk überhaupt zu verkaufen.“

Um bestehen zu können, überlegte Bartesch gleich weiter, gelte es, die aktuelle Produktpalette in Springe zu erweitern: „Wir brauchen ein Fundament, mit dem man starten kann.“ Von einer „Hochlohnregion“ wie Springe aus könne man nicht über den Preiskampf bestehen, sondern nur über die Qualität.

Dass diese gehalten werden soll in Springe, davon konnten sich die Besucher beim anschließenden Rundgang durch die Fabrikhallen überzeugen. Und am Spannendsten war auch dort, was man nicht sah: Teile der Produktionsstätte waren mit großen Zäunen und Planen verdeckt. Hier investiere Philips im großen Stil in einen Ausbau, erklärte Bar-tesch – ein eher untypischer Vorgang, wenn das Werk denn geschlossen würde.

Indizien, die vielleicht auch die Begeistertung von Johannes Haskamp nähren. Der Produktmanager erzählt von Lampen, die das Werk für den Flughafen von Dubai gefertigt hat. Und von Laternen, die nicht nur in Israel, sondern auch am Völksener Bahnhof stehen. Gleich gibt es Sekt und ein Buffet. Der Eindruck bleibt: Es ist ein Zukunftsfest – kein Leichenschmaus.



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