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Aygül Özkan besucht das Springer Krankenhaus: „Kooperation mit Gehrden hat Zukunft“

Die Ministerin und der Ellbogen

Springe. Das sieht böse aus. Am Ellbogen ist ein Band gerissen. Aygül Özkan schaut auf das Röntgenbild des unbekannten Patienten und verzieht das Gesicht. „Oh je“, sagt die Gesundheitsministerin. Sie war gestern zu Besuch im Klinikum Springe – und hatte am Ende ihres anderthalbstündigen Rundgangs eine gute Botschaft für das heimische Krankenhaus: Ein Lob gab’s für die Kooperation mit Gehrden, für das Werben um Ärzte, die sich mit ihren Praxen im Haus niederlassen. „Dieses Modell hat Zukunft“, glaubt die Ministerin.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Die Zeit ist knapp: Kaum mehr als zwei oder drei Minuten hält sich Özkan auf in jeder Abteilung: CT, Radiologie, Ultraschall. Ein erster Schmunzler, als sie an dem hausintern „Chefarzt-WG“ genannten Büro vorbeikommt. Hier zeigt sich die enge Verzahnung Springes mit Gehrden: Mehrere Mediziner teilen sich den Raum, weil sie hier wie dort aktiv sind. „Übernachten Sie auch hier?“ fragt Özkan. Der Ärztliche Direktor Martin Memming lacht. Nein – so weit geht das Wohngemeinschafts-Gefühl doch nicht.

Weiter zur Endoskopie – und jetzt ist Özkan dran mit der Anekdote: Ihr Mann ist Arzt – und wurde neulich gleich vier Mal in der Nacht ins Krankenhaus gerufen: „Beim letzten Mal ist er dann gleich da geblieben.“

Die Ministerin lächelt, lauscht, fragt, schaut, nickt. Und hört von Memming, wie wichtig die Kooperation mit Gehrden geworden ist: „Wir wären sonst nicht in der Lage, hier rund um die Uhr hochwertige medizinische Versorgung anzubieten.“

Später wird der Ärztliche Direktor noch deutlicher: Erinnert daran, wie dem Standort Springe schon vor Jahren die Ärzte ausgingen, erst in der Chirurgie, später auch in anderen Abteilungen. „Die Rahmenbedingungen waren so schlecht, dass es hier so nicht mehr zu halten war.“ Erst die Kooperation, die Personalrotation brachten Erleichterung. Auch, wenn das Modell nicht immer einfach ist: Nicht jeder Mitarbeiter will sich darauf einlassen, manchmal fehlen bauliche Voraussetzungen. „Aber es ist notwendig“, sagt Memming. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren gab es am Krankenhaus Springe noch 133 Vollzeitkräfte, heute sind es bei steigenden Fallzahlen zehn weniger. Und die Personalstärke wird wohl weiter sinken, daraus macht Memming keinen Hehl.

Erfreut hört Özkan dann, dass auch die Zahl der Honorarkräfte in Springe zurückgegangen ist. Denn sie sind teuer, sollen eigentlich nur Engpässe, Randzeiten abdecken. „Wer wenig hat, zeigt, dass er attraktiv ist für festes Personal“, lobt Özkan.

Weiter geht‘s, die Treppe hoch. Die Ministerin besichtigt ein gerade renoviertes Zimmer – auf dem Bett liegt ein junger Mann mit geschwollenem Bein. „Gute Besserung“, ruft Özkan, „was haben Sie gemacht – Fußball gespielt?“ Der Patient lächelt, schüttelt den Kopf: „Mich hat ein Insekt gestochen.“

Allgemeines Erstaunen; die Völksener Landtagsabgeordnete Gabriela Kohlenberg informiert den Mann noch schnell, dass er gerade mit der Gesundheitsministerin gesprochen hat. Weiter geht‘s. Özkan spricht über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, über Betreuungsmöglichkeiten. Und nimmt dabei auch die Stadt Springe in die Pflicht. Denn Nachwuchskräfte, junge Ärzte, könne man nicht nur mit Praxen und Krankenhäusern aufs Land locken: „Man muss vor Ort Anreize schaffen.“ Kinderbetreuung, Schulen, die Infrastruktur – „all das sagen wir den Kommunen immer wieder“.

Zum Schluss gibt es noch ein Stück Kuchen, eine Tasse Kaffee, ein Erinnerungsfoto. An den kaputten Ellbogen denkt die Ministerin da wohl schon nicht mehr.



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