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Warum es Heinrich Dehmke beim Dreschfest in Altenhagen I ein bisschen das Herz zerreißt

Die Kindheit riecht nach Benzin

Altenhagen I. In der Scheune zerreißt‘s Heinrich Dehmke gerade ein bisschen das Herz. Vor ihm steht die Dreschmaschine und tuckert. Das gute Stück wurde 1942 gebaut, nur drei Jahre älter ist es als Dehmke. Der sieht hier auch einen Teil seiner Kindheit vergehen, deshalb auch das zerrissene Herz – gemischt mit schönen Erinnerungen: „Die jüngere Generation interessiert sich leider nicht mehr für diese Maschinen. Bald sind die alle weg“, sagt er.

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VON CHRISTIAN ZETT

Aber heute sind sie noch da, an diesem kalten, aber sonnigen Sonntagvormittag. Auf dem Hof Bertram an der B 217 haben die Eolenhäger Schuindöschers für ihr Dreschfest all die alten Schätzchen aufgefahren, die Heinrich Dehmke und den anderen Besuchern der älteren Generation Freude bereiten: Ein alter Mähdrescher, Typ Claas Columbus steht da ebenso wie historische Traktoren von MAN, Hanomag oder Deutz.

Die Motoren knattern und brummen, Benzin- mischt sich mit Bratwurstduft und in der Scheune, in der Dehmke an die Vergangenheit denkt, wird jetzt die große Dreschmaschine angeworfen: Vorführzeit. Ein Trecker treibt den Motor über einen Flachriemen an, oben und unten schaufeln die freiwilligen Helfer, das Stroh wirbelt durch die Luft, die überwiegend älteren Besucher staunen.

Draußen gibt es noch mehr zu sehen und zu erleben: Ein alter Trecker zieht für die Besucher eine historische Kutsche; daneben laufen auf Hochtouren kleine Motoren, mit denen sich früher Höfe ohne Stromanschluss behalfen. Eine Häckselmaschine von 1938, eine Schrotmühle von 1956: Der Besucher des Dreschfests reist in die Vergangenheit der heimischen Landwirtschaft; erfährt, wie früher bei den Bauern der Kaffee gekocht wurde und warum die Arbeit so oft so beschwerlich war.

Und trotzdem: Die Nostalgie ist da, nicht nur bei Heinrich Dehmke. Er erinnert sich daran, wie sie den Arbeitsplatz vorne an der Maschine nannten, wo der Helfer im Staub und in der Hitze stand: die Hölle. „Das hier ist eine Reise in meine Kindheit“, sagt Dehmke und lächelt – trotz seines Herzschmerzes.

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