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Finanzminister Möllring redet über die Krise – und nimmt den Sündenbock Bankmanager in Schutz

„Die Gier ist durch alle Schichten gegangen“

Springe (zett). Die weltweite Wirtschaftskrise ist überall. Am Dienstagabend schaute sie im Kulturheim an der Haller vorbei. Der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring hatte sie mitgebracht und den Besuchern des CDU-Stammtisches vorgestellt. Bevor Möllring aber ans Rednerpult trat, war erst mal die versammelte christdemokratische Lokal- und Bundesprominenz dran.

Im Kreise seiner lieben Christdemokraten: Finanzminister Hartmut

Der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Torsten Luhm begrüßte die knapp 80 Zuhörer; dann richtete Stadtverbands-Chefin Anette Henkels das Wort an die Runde – und an ihren Vorgänger Rainer Starke, der neben Möllring, Luhm, Bürgermeister Jörg-Roger Hische, CDU-Fraktionschef Wilfried Baxmann und der Bundestagsabgeordneten Maria Flachsbarth vorne Platz genommen hatte. Letztere war es, die die Krise kurz aus bundespolitischer Sicht beleuchtete. Die mögliche Rekord-Neuverschuldung im Bund von 50 Milliarden Euro sei „eine Zahl, die einen erschüttert“, so Flachsbarth – „andererseits: Wie sollen wir sonst helfen, durch diese schwere Zeit zu kommen?“

Dann war endlich Möllrings Stunde gekommen. Er nahm die versammelten Springer an die Hand und führte sie auf den Weg von den Anfängen der Finanzkrise mit der massiven Schieflage bei der IKB-Bank im Sommer 2007 über die Probleme bei der Sachsen-LB bis zur Hypo Real Estate, die immer noch für viele Schlagzeilen sorgt.

Doch die Anfänge sieht Möllring schon früher: Als im Jahr 2000 die sogenannte „Dotcom-Blase“ platzte, in der Aktien von Internet-Unternehmen „ohne Substanz in irrsinnige Höhen“, getrieben worden seien, habe man sich auf Sachwerte zurückbesonnen – auch Immobilien. Doch gerade in den USA seien zu viele Hausbau-Kredite ohne Sicherheiten vergeben worden. „Das könnte uns eigentlich egal sein“, so Möllring – wäre da nicht der schwunghafte internationale Handel mit diesen Krediten gewesen, der schließlich viele Banken ins Wanken brachte.

Der „große Sündenfall“ sei der Untergang von „Lehman Brothers“ gewesen: „Da war das Vertrauen in die Banken erschüttert“ – auch die Institute untereinander liehen sich kaum noch Geld. Inzwischen sei es jedoch gelungen, das System wieder mit Vertrauen auszustatten. Möllring warnte davor, alles auf „gierige Bankmanager“ zu schieben. Auch Eigentümer und Aufsichtsräte trügen Verantwortung – und nicht zuletzt private Anleger: „Warum legt ein Rentner sein Geld bei einer isländischen Bank an, deren Namen er nicht aussprechen kann und wundert sich dann, dass der deutsche Staat ihm nicht hilft?“ Die Gier sei durch alle Schichten gegangen.

Nach der Krise zum Italiener

Mit einem Appell in Sachen Schuldenbremse bei Land und Bund entließ Möllring schließlich die Springer: „Wir müssen lernen, beim Staat so zu handeln wie im richtigen Leben. Wenn Oma und Opa um die Häuser ziehen wollen, bedienen sie sich auch nicht am Sparschwein ihrer Enkel.“ Nach der Fragestunde mit dem Publikum ließ die versammelte CDU-Prominenz Finanzkrise erst mal Finanzkrise sein – sie speiste zum Ausklang des Abends gemeinsam im italienischen Restaurant „Il Vecchio Tribunale“.



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