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Die Gestorferin Caroline Flohr tritt bei der Europawahl an

GESTORF. 41 Parteien und 1380 Bewerber treten bei der Europawahl an. Knapp einen Meter lang ist der Wahlzettel – und ziemlich weit unten taucht da eine Kandidatin aus Gestorf auf. Unternehmerin Caroline Flohr tritt mit der Partei Volt zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl an. Wir stellen die Kandidatin vor.

Die 25-jährige Caroline Flohr schätzt die Chancen bei der Europawahl für ihre Partei gut ein. „Ich bin sehr optimistisch.“ FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

„Für mich ist alles komplett neu“, verrät die 25-Jährige, die seit eineinhalb Jahren auch in Berlin wohnt.

Die Gestorferin hat in Den Haag Volkswirtschaftslehre und Entwicklungszusammenarbeit studiert und in Kenia in dieser Zeit ein kleines Fairtrade-Unternehmen aufgebaut. Im Herbst will sie in Berlin ihren Master machen. Politisch interessiert sei sie immer schon gewesen, war aber bislang in keiner Partei aktiv – bis sie von Volt erfahren hatte. „Wir verfolgen einen ganz neuen, gesamteuropäischen Ansatz.“

Das Besondere: Die Partei ist aus einer Bewegung heraus entstanden und ist mittlerweile in 14 Ländern vertreten, in acht treten sie jetzt bei der Europawahl an. „Es ist toll, was wir schon geschafft haben.“ Während der Bewegung arbeiteten die Unterstützer eineinhalb Jahre lang an einem Programm.

Der Altersdurchschnitt in Deutschland liege gerade einmal bei 35 Jahren. „Viele junge Menschen sind frustriert“, hat Flohr festgestellt. Genau da setze die Partei an, um gegen den zunehmenden Rechtspopulismus vorzugehen. Unter dem Motto „Jetzt bist du dran“ sollen die Bürger aufgefordert werden, „nicht nur zu meckern“, sondern aktiv zu werden. Flohr wolle ihren Wählern das Gefühl geben, dass ihre Stimme gehört werde. Ziel sei es außerdem, für mehr Transparenz bei der Europapolitik zu sorgen und grenzübergreifend über Themen zu sprechen. „Es geht darum, gemeinsam etwas zu machen.“ Daher setze sich die Partei auch für eine vermehrte Bürgerbeteiligung ein. So sollten die Menschen zum Beispiel mitentscheiden dürfen, in welche Bereiche das Geld aus dem EU-Haushalt fließen soll.

Auch bei den Themen wie Migration oder Klimawandel müssten gemeinsame, europäische Ansätze entwickelt, aber auch erfolgreiche Ideen aus anderen Ländern übernommen werden, etwa wenn es um die CO2-Steuer geht. Zudem kritisiert sie, dass das Europäische Parlament keine Gesetze vorschlagen kann und will sich nun für ein Initiativrecht für das Parlament einsetzen.

Eine weitere Forderung sei daher eine klare Reform der EU. Dazu gehöre auch, dass die Sitzungen öffentlich zu sehen sein sollen. Langfristig peilt die Partei einen föderalen Staat an, „nicht aus einem Selbstzweck heraus, sondern als Konsequenz, weil wir so integriert sind“. Seit fast 20 Jahren herrsche in der EU Stillstand.

Die Kandidatur habe ihr Leben „komplett auf den Kopf gestellt“, sagt die 25-Jährige. In den vergangenen Monaten habe sie viel gelernt und Verantwortung übernommen. „Eigentlich bin ich sonst eher sehr kreativ und undiszipliniert, das hat sich jetzt geändert“, sagt Flohr mit einem Lachen. Immerhin muss die noch kleine Partei den Wahlkampf alleine organisieren. „Wir sind komplett auf Spenden angewiesen, aber je weniger Geld man hat, desto kreativer wird man.“ 200 Mitglieder sind derzeit in der Partei aktiv. Den Wahlkampf organisiert sie derzeit von Berlin aus. Ihrer Heimat fühlt sie sich dennoch verbunden. „Ich bin eigentlich ein totales Landkind, habe hier mein Pferd und bin gerne zu Hause bei meiner Familie.“ Die Chancen auf ein oder zwei Sitze – insgesamt sind es 96 – stünden gut. „Wir haben einen riesigen Zuwachs.“ Wegen der etablierten Parteilandschaft in Deutschland sei ein möglicher Ausgang aber schwer vorauszusagen. Für Flohr steht aber unabhängig vom Wahlergebnis fest, dass sie politisch aktiv bleiben will.



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