weather-image
14°
Zwischenfall auf fröhlicher Geburtstagsfeier am Waldrand / Angeklagter ist polizeibekannt

Die Faust kam wie aus dem Nichts

Springe (ric). Auf einer Geburtstagsparty in Springe sollen zwei Gäste brutal zusammengeschlagen worden sein. Der Verdacht fällt auf einen 19-Jährigen, der erst ein paar Tage zuvor wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

270_008_5115163_33_gericht.jpg

Der Berufsschüler war gegen Mitternacht mit drei Kumpels von Bennigsen aus zur Schröder-Hütte am Waldrand gefahren. Dort feierte eine Bekannte mit zahlreichen Freunden eine Party. Am frühen Morgen des 9. Juli soll der Angeklagte ohne Vorwarnung einen heute 23-jährigen Studenten mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen haben, sodass dieser umkippte und sich auch noch am Hinterkopf verletzte. Ein Freund des Opfers wollte sich einmischen – und bekam ebenfalls zwei Schläge ab. Beide mussten im Krankenhaus behandelt werden, hatten tagelang Kopfschmerzen. Sie erstatteten Anzeige bei der Polizei.

Der Angeklagte bestritt allerdings, mit der Sache etwas zu tun zu haben. „Ich kenn die Leute nicht mal.“ Er habe zwar Alkohol getrunken, habe aber nur friedlich am Tisch gesessen. Drei seiner Kumpels sagten aus, dass es eine fröhliche Feier gab und sie keine Zwischenfälle mitbekommen hätten.

Acht Zeugen hatte Richterin Pamela Ziehn vorgeladen, darunter auch die Geschädigten. Deren Version hörte sich ganz anders an: Sie wollen sich daran erinnern, nahe der Wiese in der Dunkelheit gestanden zu haben, als der Angeklagte „wie aus dem Nichts auftauchte“ und sofort zuschlug. Die Richterin forderte beide und einen dritten Zeugen auf, unabhängig voneinander eine Tatortskizze zu fertigen, um die Plausibilität ihrer Angaben zu überprüfen.

Unklar sind weiterhin die Hintergründe: Welchen Grund kann der Schläger gehabt haben, um derart auszurasten? Welche Rolle spielt ein weiterer Zeuge, mit dem der 23-jährige Geschädigte vorher eine Auseinandersetzung hatte? Um das zu klären, hätte der junge Mann eigentlich vor Gericht erscheinen müssen. Er kam nicht. Also wird die Polizei für die Fortsetzung der Hauptverhandlung am 20. Januar sicherstellen, dass er dann erscheint. Zusätzlich wurde gegen ihn ein Ordnungsgeld in Höhe von 75 Euro verhängt. Auch ein weiterer Zeuge wird polizeilich vorgeführt.

Würde der Angeklagte verurteilt, wäre es das dritte Mal wegen Körperverletzung. Die Jugendgerichtshelferin empfahl daher, ihm einen sozialen Trainingskurs aufzuerlegen. Obwohl er fast mit der Lehre fertig ist und nebenbei arbeitet, sei er einem Jugendlichen gleichzusetzen. Am 23. Juni war der Bennigser verurteilt worden, weil er in Hannover zwei Jungs vermöbelt und mit der Faust malträtiert hatte. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass es gar nicht diejenigen waren, auf die er es abgesehen hatte – nämlich die, die ihn vorher zusammengeschlagen hatten.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare