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Die Betreuungspanne

Springe. Als Dagmar Wiese-Cordes vor drei Jahren das neue Ganztagskonzept der Stadt verteidigen musste, tat die Fachbereichsleiterin es mit einem Vergleich: Die Familien, die einen der seltenen Hortplätze ergattern konnten, seien bildlich gesprochen im Porsche unterwegs. Alle anderen gingen zu Fuß – und leer aus. Ihre Lösung: der Abbau von Hortplätzen und der Aufbau von günstigeren Ganztagsplätzen an den Grundschulen. „Einen Kleinwagen für alle“, nannte Wiese-Cordes den Kompromiss damals. Doch jetzt hat das neue Auto schon die erste Panne. Und wird zur nächsten Herausforderung bei der Kinderbetreuung.

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Offen zutage trat das Problem in der vergangenen Woche: Da musste sich der Verwaltungsausschuss wie berichtet mit einer akuten Betreuungslücke in Völksen befassen. Dort gibt es zwar das Ganztagsangebot an der Schule. Aber eben auch den teuren Hort.

Und der soll jetzt sogar erweitert werden. Denn an der Schule dauert das Betreuungsangebot nur bis 15 Uhr – und ist damit für viele Eltern zwei Stunden zu kurz. Ergebnis: Die Stadt muss den Hort in Völksen wohl aufstocken, statt ihn aufzulösen und mehrere zehntausend Euro im Jahr zusätzlich investieren.

Ein Einzelfall? Der stellvertretende Rathauschef Gerd-Dieter Walter spricht von einem „stadtweiten Kernproblem“, das die Betreuungszeit von 15 bis 17 Uhr betreffe. Einzig in Bennigsen seien Angebot und Nachfrage passend.

Dass jetzt in Völksen und womöglich auch anderswo zusätzlicher Bedarf oder gar parallele Angebote bezahlt werden müssen, wirft das Sparkonzept der Stadt – den Kleinwagen für alle – schon nach drei Jahren über den Haufen. Das räumt auch Walter ein: Die Entwicklung sei „deutlich abweichend“ von dem, was Verwaltung und Politik geplant hatten. Das neue System habe sich „nicht optimal entwickelt“.

Verschärfen könnte sich das Betreuungsproblem in den kommenden Wochen und Monaten – allerdings bei den deutlich kleineren Kindern. Bei den Eltern wächst die Sorge, dass es ab dem Sommer deutlich weniger Plätze als Anmeldungen geben könnte. Im Rathaus heißt es, die Tendenz deute tatsächlich auf Schwierigkeiten hin – doch gesichert ist das offenbar nicht: Denn die Anmeldungen für die Krippen trudeln erst jetzt nach und nach ein – und manche Eltern melden ihr Kind zur Sicherheit gleich in mehreren Einrichtungen an.

Was die Lage verschärft: Weil die für Kindertagesstätten zuständige Fachbereichsleiterin Margot Zedlitz im Herbst vor Ablauf ihrer Probezeit gehen musste, fehlt es offenbar an Arbeitskraft, um das Thema Betreuung umfassend bearbeiten zu können.

Und dann ist da noch das Thema Tagespflege: Das Angebot von Tagesmüttern und Tagesvätern kann sich die Stadt anrechnen lassen, wenn es um den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für Unter-Dreijährige geht. Trotzdem zahlen Springer Eltern, die Tageseltern nehmen wollen oder müssen, deutlich mehr als bei einem Krippenplatz.

Die Stadt hatte diese Differenz von teils 270 Euro im Monat schon vor gut einem Jahr als „Ungleichbehandlung“ bezeichnet, die es zu beseitigen gelte. Geschehen ist das bis heute noch nicht: Per Ratsbeschluss milderte die Politik den Unterschied lediglich ab. Im zuständigen Sozialausschuss hieß es damals von der Stadtverwaltung, es sei durchaus möglich dass Eltern die Stadt auf die Kostendifferenz verklagten. zett



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