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Die Bake des Anstoßes

SPRINGE. Dies ist die Geschichte von einer guten Idee. Von einer kleinen Metallbake. Und von großem Ärger für viele Autofahrer.

Auto gegen Bake: Das Schild erwischte es auch am 15. Februar (oben) und am gestrigen Donnerstag (rechts). Immer wieder rückt die Polizei aus. Ein Problem (Bild links): Die alte Fahrbahnmarkierung führt noch mitten auf die Verkehrsinsel zu. fotos: hel

Autor:

m. scheffler, c. zett und s. helmbrecht

Alles beginnt im Sommer 2018: Stadtmitarbeiter bauen an der Ecke Jägerallee/Leipziger Straße eine sogenannte Querungshilfe. Eine Art kleine Betonzunge, die in die Fahrbahn ragt. Und Fußgängern, vor allem Kindern, das Überqueren der Straße erleichtern soll.

Das tut diese kleine Insel sicherlich auch, keine Frage. Aber sie tut auch etwas anderes: Sie steht im Weg. Und zwar: Autofahrern. Akutes Beispiel: Am Donnerstagmorgen erwischt es den nagelneuen Citroen eines 70-Jährigen aus Springe. Er unterschätzt beim Abbiegen aus der Straße „In der Wanne“ offenbar die Entfernung zum nur 70 Zentimeter hohen Schild. Und fährt es um.

Nicht aufgepasst, könnte man jetzt sagen. Selbst schuld. Aber: Der Mann ist in großer Gesellschaft. An der Jägerallee, das darf man so festhalten, steht das Verkehrszeichen mit dem häufigsten Bürgerkontakt im Stadtgebiet. Während der 70-Jährige mit der Polizei spricht, beobachtet er, wie es für Vorbeifahrende am Schild immer wieder eng wird. Einer der Polizisten berichtet, er allein sei schon dreimal zu Einsätzen gerufen worden, weil jemand die Bake umgefahren hat. Man werde wohl mit einem Schreiben an die Stadt auf das Problem hinweisen.

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Wie oft der Leitpfosten tatsächlich schon von einem Auto- oder Lastwagenfahrer mitgenommen wurde, können weder die Polizei noch der städtische Bauhof exakt sagen: „So häufig kommt das aber derzeit sonst nirgendwo vor“, bestätigt ein Polizist. Eine Strichliste werde auf der Wache nicht geführt. Die Beamten nehmen die Personalien des Verursachers auf und reichen sie an die Stadt weiter. So ein „vereinfachtes Unfallaufnahme-Verfahren vor Ort“ wird anschließend nicht elektronisch erfasst.

Ist der Schuldige bekannt, schreibt die Stadt diesem eine Rechnung. 100 bis 150 Euro fallen durchschnittlich für das Erneuern oder Wieder-Aufstellen des Schildes an. „Der Schaden, der am Auto entsteht, ist um ein Vielfaches höher“, sagt der Mitarbeiter des Bauhofes, der die Rechnungen verschickt.

Dabei sollte durch das rot-weiße Blechschild eigentlich alles besser werden. Anfang Juli vergangenen Jahres bemühte sich die Stadt, die Situation an der Kreuzung Jägerallee/In der Wanne/Leipziger Straße für Fußgänger zu entschärfen. Vor allem für Schulkinder war die Stelle unübersichtlich. Auch eine Familie aus dem Bereich hatte sich wiederholt an die Stadt gewandt und auf die Gefahr hingewiesen.

Mitarbeiter des Bauhofes verlängerten dann den Bürgersteig aus der Leipziger Straße so, dass eine Nase auf die Jägerallee reicht. Die ist allerdings so lang, dass auf ihr ein Verkehrszeichen stehen muss. Und jetzt kommt‘s: Damit Schulkinder nicht von der rot-weißen Warnbake verdeckt werden, darf die nur etwa 70 Zentimeter hoch sein – was sie etwas unscheinbar macht. So unscheinbar, dass sie immer wieder übersehen wird. Wer nun denkt: Ist ja nur ein kleines Verkehrsschild – haben wir keine anderen Sorgen? Der sei daran erinnert, dass die Bake nicht nur Autofahrer, Stadt und Polizei viel Ärger bringt und viel Zeit kostet – auch die Politik beschäftigt sich schon seit Monaten damit. Ende 2018 beklagte SPD-Ortsratsmitglied Jörg Gassl, die Bake sei „mindestens 50 Mal umgenagelt“ worden. Geschätzt. Daraufhin rückte die Stadt erneut an die Jägerallee aus, investierte Arbeitszeit. Und kam zu dem Urteil: zurückgebaut wird nicht. Man werde, hieß es im Februar, neue Linien auf den Asphalt malen. Um so den Autofahrer besser auf das Hindernis aufmerksam zu machen. Die bisherige Begrenzungslinie führt nämlich direkt auf die kleine Insel zu. Und damit ins Auto-Verderben für den, der sich daran orientiert.

Die Bake sei „ein Kompromiss zwischen verschiedenen Nutzeransprüchen. Der Autofahrer soll auf die Einengung hingewiesen werden. Gleichzeitig soll ein wartendes Kind nicht in der Sicht des Autofahrers verdeckt werden“, hieß es im Februar. Wann sich etwas verändern soll, war gestern zunächst nicht in Erfahrung zu bringen. Bürgermeister Christian Springfeld sagte, man wolle die Situation prüfen. „Wenn sich das häuft und da etwas nicht richtig ist, dann muss natürlich etwas passieren.“



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