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Die Axt im Ortsrat

Springe. Lästiges Laubfegen für die Anwohner? Kein Problem! Der Ortsrat beschließt einfach, den Baum fällen zu lassen. Das geht rein rechtlich – und ist zuletzt in Altenhagen I passiert. Doch jetzt will die Stadt dieser Praxis einen Riegel vorschieben. „Wir möchten nicht, dass die Politik so etwa willkürlich entscheidet“, sagt Fachdienst-Chef Gerd-Dieter Walter. Mögliche Lösung: Lässt der Ortsrat einen heilen, gesunden Baum fällen, muss er dafür zahlen – im Zweifel sogar mehrere tausend Euro.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Rückblick: Nach einer Ortsbegehung kam der Ortsrat Altenhagen I im Dezember dem Wunsch einiger Anlieger der Straße Thiergarten nach. Für sie sei das Laub mehrerer großer Eichen „ein Ärgernis“, hieß es damals. Die fünf Bäume waren 1989 ausgerechnet auf Wunsch des Ortsrats gepflanzt worden. Und sollen jetzt wieder weg. Für die Stadt ist das gleich aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen fürchtet sie, das Fällen gesunder Bäume könnte sich in der Öffentlichkeit negativ auswirken.

Doch aus Sicht von Walter hat das Thema auch eine finanzielle Dimension: „Wir erfassen in unseren Bilanzen alles, was uns gehört – also auch die Bäume an unseren Straßen.“ Je älter und größer diese seien, desto höher auch der Wert: „Wenn zum Beispiel jemand bei einem Unfall den Baum beschädigt, bekommen wir auch Geld von der Versicherung.“ Und genau jenes Geld will die Stadt auch den Ortsräten in Rechnung stellen: „Die Politik kann ja nicht einfach über die Beseitigung städtischer Werte entscheiden“, sagt Walter. Vordringlich hofft man im Rathaus natürlich, die Androhung einer hohen Rechnung könnte eine abschreckende Wirkung haben.

Als Alternative ist auch ein Grundsatzbeschluss im Stadtrat möglich. Der könnte etwa so lauten, dass jeder Baumfällwunsch aus den Ortsräten erst noch von den Fachleuten im Umweltausschuss abgesegnet werden müsste. Den Ratsfraktionen selbst stellte die Stadt ihre Pläne am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss vor. Die Politik soll zunächst intern beraten, wie sie das Thema angehen möchte.

Die Altenhäger Eichen dürften aus umweltschutzrechtlichen Gründen ohnehin erst im Herbst gefällt werden. Die Stadt hofft, bis dahin eine neue Regelung gefunden zu haben. In seiner Sitzung am Donnerstagabend blieb der Altenhägener Ortsrat jedenfalls erst einmal bei seinem Fällbeschluss – trotz aller Bedenken.



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