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Diakonie warnt vor Wohnungsnot in Springe

SPRINGE. Der Diakonieverband schlägt Alarm: Immer mehr Springern falle es schwer, eine Wohnung zu finden, die sie sich leisten können. „Für arme Menschen ist das eine existenzielle Bedrohung“, sagt Diakoniepastor Harald Gerke.

Begehrt: Erschwinglicher Wohnraum ist in Springe laut Diakonie immer gefragter. Gerade Rentner und Erwerbslose seien von Wohnungslosigkeit bedroht. FOTO: MISCHER
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Superintendent Detlef Brandes rechnet vor, dass die Zahl der Wohnungen für Geringverdiener laut Statistik in Niedersachsen seit 2006 um 15 Prozent abgenommen habe. „In Springe gibt es auch keinen wirklich günstigen Wohnraum mehr“, sagt Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Ingrid Röttger. Vielfach suchten Springer die Beratung des Diakonieverbandes auf, weil sie günstigen Wohnraum suchten. „Betroffen sind häufig Rentner oder Arbeitslose.“ Röttgers Erfahrung ist, dass besonders Senioren, die nur eine geringe Rente erhalten, häufig dazu gezwungen sind, ihre alte Wohnung aufzugeben und eine kleinere, günstigere zu suchen. Leicht sei das aber keinesfalls: „Bei mir war mal eine ältere Dame, die hat erst nach anderthalb Jahren eine passende Wohnung gefunden“, sagt Röttger. Dafür habe die Springerin aber auch einen großen Umzug in Kauf nehmen müssen; in Springe fand sie demnach keine passende Wohnung.

Problematisch werde es laut Gerke auch immer häufiger, wenn Menschen, die Arbeitslosengeld oder Grundsicherung erhalten, eine Wohnung suchen. Die Suche sei immer öfter erfolglos – und wenn die Betroffenen eine staatlich geförderte Wohnung beantragen – mit einem Wohnberechtigungsschein – komme es nicht selten vor, dass die Vermieter entweder generell keine Bezieher von Sozialleistungen wollen, oder aber dass sie eine Bürgschaft verlangen. Die könne jedoch häufig von den Betroffenen nicht aufgebracht werden. Besonders problematisch sei es auch für einkommensschwache Familien, in Springe eine passende Wohnung zu finden, die sie sich leisten können.

„Das ist eine katastrophale Entwicklung, da werden Menschen ausgegrenzt“, meint Gerke. Kirchenkreissozialarbeiterin Monika Brandt-Zwirner weiß, dass für all jene, die es nicht schaffen, auf dem Wohnungsmarkt eine Bleibe zu finden, nur noch auf öffentliche Einrichtungen wie etwa die Notunterkunft Im Reite, zurückgreifen können. Und das sei oft ein Umzug ohne Chance auf Wiederkehr. Röttger: „Versuchen Sie mal, mit der Postanschrift der Notunterkunft eine neue Wohnung zu finden.“

Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben den Eindruck bestätigt, dass die Notunterkunft immer häufiger von Menschen in Anspruch genommen wird, die ihre Wohnung entweder per Räumungsklage verloren haben und oder die auf dem Wohnungsmarkt nichts finden konnten – aus verschiedensten Gründen.

Superintendent Brandes glaubt, dass auch der kommunale Wohnungsbau Fehler gemacht hat: „Da wurde über Jahre hochpreisig gebaut“, sagt er. Diakonie-Pastor Gerke betont, dass derzeit auch keine Lösungsansätze in Sicht seien. „Da müsste ganz schnell etwas passieren“, unterstreicht Brandt-Zwirner die Dramatik der Lage, „es fehlt an Entscheidungen, die auf höherer Ebene getroffen werden.“

Und Gerke ergänzt, dass während der täglichen Arbeit des Diakonie-Verbands zu spüren sei, dass die soziale Umverteilung weiter voranschreite: „Die Armen werden immer ärmer – und die Reichen immer reicher.“



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