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Springe muss auch mit IGS weiter für Schüler zahlen, die außerhalb eine KGS besuchen – sagt die Region

Der Schul-Spar-Schreck

Springe. Es ist ein neuer Rekordwert: 600 000 Euro zahlt die Stadt nach eigener Berechnung im kommenden Jahr an Nachbarstädte wie Pattensen und Wennigsen, weil Springer Schüler dort Gesamtschulen besuchen. Mit der Einführung einer IGS sollte das ein Ende haben: Die Zahlungspflicht entfällt eigentlich, wenn die Stadt eine Schulform selbst anbietet. Immer wieder nannten Stadt und Politik die Senkung der Gastschulbeiträge als ein großes Ziel der neuen Schule. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen: Laut Region muss die Stadt für fast alle auswärtigen Gesamtschüler weiter zahlen.

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VON CHRISTIAN ZETT

Das Regionsgesetz regelt, wann eine Stadt Gastschulbeiträge zahlen muss: Und zwar nur dann, „wenn der für die Herkunftsgemeinde zuständige Schulträger die gewählte Schulform oder den gewählten Bildungsgang nicht vorhält“. Soll heißen: Weil Springe bislang keine Gesamtschule hatte, musste die Stadt an die Nachbarn überweisen, an denen Springer Schüler eine IGS oder KGS nutzten.

Der feine Unterschied: Nach Angaben von Regionssprecher Nils Meyer kann sich Springe mit seiner neuen IGS eben nur die Kosten für auswärtige IGS-Schüler sparen – nicht aber für diejenigen, die eine KGS, eine Kooperative Gesamtschule, besuchen. Letztere sind allerdings die große Mehrheit im Stadtgebiet. Vor allem aus den Ortsteilen Bennigsen, Lüdersen und Gestorf nutzen viele Eltern die kurzen Wege zu den Schulen in Pattensen oder Wennigsen. Eine IGS gibt es innerhalb der Region dagegen nur in Hannover, Langenhagen, Garbsen, Lehrte, Wunstorf oder Wedemark – also weiter entfernt.

Nach Angaben von Sprecher Nils Meyer zählt, dass das Angebot beider Schulformen nicht identisch ist. Während in einer Integrierten Gesamtschule Kinder mit Empfehlungen für Hauptschule, Realschule und Gymnasium gemeinsam unterrichtet werden, gibt es bei der Kooperativen Gesamtschule eine organisatorische Trennung. „Eine IGS befreit nicht von der Zahlung für Schüler, die eine KGS besuchen“, sagt Meyer.

Bei der Stadt reagierte man gestern überrascht auf diese Auskunft aus Hannover. Bislang habe man von dort andere Informationen erhalten, sagt Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Im Protokoll einer Sitzung des Runden Tisches Schule vom 12. November 2012 heiße es, die Satzung der Region mache keinen Unterschied zwischen IGS und KGS – Springe müsse als Träger der einen Schulform nicht für außerhalb unterrichtete Schüler der anderen zahlen.

Nach den Recherchen der NDZ hat Hische bei der Region noch einmal um eine „akribische Prüfung des Sachverhalts“ gebeten. Diese wolle die Stadt jetzt in Ruhe abwarten. „Wenn wir dann neue Informationen bekommen, werden wir umgehend den Runden Tisch und die Fraktionen informieren“, verspricht der Bürgermeister.

Schon jetzt steht fest, dass die Gastschulbeiträge nur nach und nach sinken werden. Größere Projekte wie der Anschub der IGS lassen sich so schwer finanzieren. Denn bis zum Start der neuen Schule muss die Stadt die Ausgaben voll tragen. Danach werden nur die neu angebotenen Jahrgänge abgezogen – zunächst also entfallen nur die Kosten für Kinder, die außerhalb Springes einen fünften Gesamtschul-Jahrgang besuchen.

Langfristig muss sich zeigen, wie anziehungsstark die neue Springer Gesamtschule ist: Bewahrheiten sich die Angaben der Region, dann kann die Stadt nur sparen, wenn sie Eltern vom Modell IGS überzeugt. Diese müssten ihre Kinder vor Ort anmelden, statt sie auf den oft kürzeren Weg nach Pattensen oder Wennigsen zu schicken.

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